Ryanair-Chef Michael O’Leary hat die europäische Luftfahrtpolitik scharf kritisiert und der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sowie dem Europäischen Parlament vorgeworfen, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche nicht verbessert zu haben. In einem Interview mit Euronews am 20. Oktober 2026 argumentierte er, dass Umweltabgaben und andere politische Entscheidungen die Kosten des Fliegens erhöhen, während die Verbraucher weiterhin nach günstigeren Tarifen suchen.
O’Leary warnte zudem davor, dass die europäischen Flugpreise im Jahr 2027 um 10 bis 20 Prozent steigen könnten. Diese Prognose verknüpfte er mit höheren Treibstoffkosten und einer Verringerung der verfügbaren Flugkapazitäten. Seine Äußerungen erfolgten zeitgleich mit der Ankündigung von Ryanair, den belgischen Winterflugplan nach einer Erhöhung der dortigen Flugpassagiersteuer zu kürzen.
Seine Kommentare stellen eine deutliche Herausforderung für die europäischen Entscheidungsträger dar: Wie sollen die Kosten für die Umweltauswirkungen des Luftverkehrs verteilt werden, und welche Folgen könnten Besteuerung und Regulierung für den Wettbewerb der Fluggesellschaften und die Ticketpreise haben? Für Passagiere mit geringem Einkommen hat die Debatte zudem eine soziale Dimension.
Leistbare Flüge können Menschen Reisen ermöglichen, die sonst finanziell ausgeschlossen wären, darunter einige Menschen mit Behinderungen und Personen aus niedrigeren sozioökonomischen Schichten.
O’Learys Kritik an Ursula von der Leyen

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O’Leary nutzte eine ungewöhnlich deutliche Sprache, um die politische Führung der EU zu kritisieren. Euronews berichtete, er habe von der Leyen als „nutzlos“ bezeichnet und das Europäische Parlament als ein „Narrenschiff“ beschrieben. Er warf der Kommissionspräsidentin vor, über Wettbewerbsfähigkeit zu sprechen, ohne ausreichende Maßnahmen zu ergreifen, um diese auch umzusetzen.
Dies sind O’Learys Einschätzungen, keine neutralen Beschreibungen der EU-Politik. Sein weiter gefasstes Argument lautet, dass die europäischen Institutionen Regeln einführen oder beibehalten, die seiner Ansicht nach das Fliegen verteuern und die Position der europäischen Fluggesellschaften schwächen. Er forderte die politischen Entscheidungsträger auf, sich direkter auf die Wettbewerbsfähigkeit und auf die Folgen der Regulierung für die Passagiere zu konzentrieren.
Welche Luftfahrtabgaben kritisiert O’Leary?

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Ein zentrales Thema im Interview ist der Umgang mit den Emissionen des Luftverkehrs. O’Leary wendet sich gegen EU-Umweltabgaben, die nach seiner Darstellung für Flüge innerhalb der Staatengemeinschaft gelten, während viele Langstreckenverbindungen amerikanischer, asiatischer und chinesischer Fluggesellschaften einem anderen Rahmen unterliegen. Er argumentiert, dass Fluggesellschaften, die von außerhalb der EU nach Europa fliegen, vergleichbaren Abgaben unterliegen sollten.
Dies ist eine politische Forderung von O’Leary; sie sollte nicht als eine neue, allgemeine Emissionssteuer auf alle amerikanischen oder asiatischen Fluggesellschaften verstanden werden, die bereits eingeführt worden wäre. Euronews berichtete, dass Langstreckenflüge durch ein weniger strenges UN-System zum CO2-Ausgleich abgedeckt sind und dass die Europäische Kommission vorgeschlagen hat, die EU-Abgabe ab 2029 auf einige Flüge auszuweiten, die in Europa starten. Nach dem von Euronews beschriebenen Vorschlag würden einige Strecken einbezogen, während längere Abschnitte und bestimmte ankommende Flüge weiterhin ausgenommen blieben.
O’Learys Position ist, dass ein einheitlicherer Ansatz verhindern würde, dass europäische Fluggesellschaften im Wettbewerb mit internationalen Anbietern eine unverhältnismäßige Last tragen. Die breitere politische Debatte umfasst sowohl die Gestaltung von Klimamaßnahmen als auch die Frage, wie unbeabsichtigte Wettbewerbseffekte vermieden werden können.
Belgiens Passagiersteuer und Ryanairs Streckenstreichungen

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Belgien ist das unmittelbare Beispiel in O’Learys Kritik an der nationalen Luftfahrtbesteuerung. Euronews berichtete, dass die belgische Flugpassagiersteuer im Januar 2027 von 2 Euro auf 7 Euro pro Ticket steigen soll. Ryanair kündigte an, 20 Strecken und rund 1,1 Millionen Sitzplätze aus seinem belgischen Winterflugplan zu streichen, begründete dies mit der höheren Steuer und erklärte, sechs Flugzeuge in kostengünstigere europäische Märkte zu verlegen.
Diese belgische Passagiersteuer ist eine nationale Maßnahme und muss von den oben besprochenen EU-Umweltabgaben unterschieden werden. O’Leary argumentiert, dass höhere nationale Steuern manche Märkte weniger wettbewerbsfähig machen und beeinflussen, wo Fluggesellschaften Flugzeuge stationieren und Flüge ansetzen.
Für die Passagiere können weniger Strecken und Sitzplätze weniger Direktverbindungen oder eine geringere Auswahl an Abflugzeiten bedeuten.
Die tatsächlichen Auswirkungen werden je nach Strecke und verfügbaren Alternativen unterschiedlich ausfallen. Ryanairs Entscheidung ist die Reaktion des Unternehmens auf die Steuererhöhung; sie belegt für sich genommen nicht, dass jede Verbindung oder jedes Ticket teurer wird.
Eine Warnung vor höheren Flugpreisen im Jahr 2027

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O’Leary prognostizierte, dass die europäischen Flugpreise 2027 um 10, 15 oder sogar 20 Prozent steigen könnten, und bezeichnete diesen Anstieg als den potenziell größten in der Geschichte des europäischen Marktes. Er verwies auf höhere Treibstoffkosten und eine verringerte Kapazität als wesentliche treibende Faktoren. Euronews berichtete, dass Ryanair einen Großteil seines Treibstoffs für 2026 zu rund 67 Dollar pro Barrel abgesichert habe, während O’Leary für 2027 mit einem deutlichen Anstieg seines effektiven Ölpreises rechnete, da diese Absicherung nachlasse.
Diese Prognose ist O’Learys persönliche Vorhersage und kein garantiertes Ergebnis. Künftige Tarife werden von den Treibstoffpreisen, der Nachfrage, dem Wettbewerb, den Kapazitäten der Fluggesellschaften und weiteren Marktbedingungen abhängen. Er gab an, Ryanair werde keine Treibstoffzuschläge einführen, rechne jedoch damit, dass sich höhere Treibstoffkosten in den Ticketpreisen niederschlagen.
Für Reisende ist die Sorge pragmatischer Natur: Wenn Flugpreise steigen, werden manche Reisen schwerer leistbar. Ein Ticketpreis kann darüber entscheiden, ob jemand Angehörige besuchen, Freundschaften über Grenzen hinweg pflegen, am Kulturleben teilnehmen oder zu Bildungs- und Arbeitszwecken reisen kann.
Warum leistbares Fliegen für soziale Teilhabe wichtig ist

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Leistbarer Flugverkehr kann für Personen mit begrenzten finanziellen Mitteln von besonderer Bedeutung sein. Niedrige Tarife ermöglichen es Menschen mitunter, Reisen zu unternehmen, die ihr Budget andernfalls übersteigen würden. Das kann für jüngere Reisende, Personen mit geringerem Einkommen und einige Menschen mit Behinderungen eine Rolle spielen, für die Reisekosten eine von mehreren Hürden für die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben darstellen.
Für Menschen mit Behinderungen ist Leistbarkeit nur ein Teilaspekt der Barrierefreiheit. Geeignete Flughafeneinrichtungen, Hilfsdienste, klare Informationen und verlässliche Unterstützung können ebenfalls unverzichtbar sein. Die Gesamtkosten einer Reise umfassen mehr als nur das Ticket: An- und Abreise zum Flughafen, Gepäck, Unterkunft und sonstige Ausgaben entscheiden oft darüber, ob eine Reise überhaupt machbar ist.
Trotz dieser Einschränkungen bleibt der Ticketpreis eine wesentliche Schwelle. Wenn günstige Tarife zur Verfügung stehen, können manche Reisende familiäre Beziehungen aufrechterhalten, Freunde besuchen oder Angebote in anderen Ländern wahrnehmen.
Steigen die Tarife, haben Personen mit geringerem frei verfügbarem Einkommen unter Umständen weniger Alternativen und verzichten womöglich eher auf eine Reise.
Darin liegt die soziale Dimension der Debatte, die durch O’Learys Aussagen aufgeworfen wird. Die Frage lautet nicht nur, wie Fluggesellschaften im Wettbewerb stehen oder wie Regierungen die Umweltpolitik gestalten, sondern auch, wie Reisekosten die Möglichkeit beeinflussen, am gesellschaftlichen Leben über das unmittelbare Umfeld hinaus teilzuhaben. Leistbares Fliegen garantiert keine soziale Inklusion, aber hohe Preise können eine zusätzliche Barriere schaffen.
Wer wird sich das Fliegen noch leisten können?
O’Learys Interview bündelt mehrere Streitpunkte: EU-Umweltabgaben, nationale Passagiersteuern, den Wettbewerb zwischen europäischen und außereuropäischen Fluggesellschaften sowie die Aussicht auf höhere Treibstoffkosten. Er fordert, dass die europäischen Entscheidungsträger jene Maßnahmen überdenken, von denen er annimmt, dass sie Flüge verteuern und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Fluglinien schwächen.
Seine Behauptungen und Prognosen spiegeln seine eigene Haltung in einer laufenden politischen Auseinandersetzung wider. Die belgischen Streckenstreichungen und der prognostizierte Tarifanstieg liefern den Kontext für seine Warnung, beantworten jedoch nicht die grundlegendere Frage, wie der Flugverkehr besteuert und wie Umweltziele erreicht werden sollen.
Für Passagiere mit geringeren Einkommen und Menschen mit Behinderungen kann die Leistbarkeit von Reisen über reine Urlaubsfragen hinausreichen. Sie kann ausschlaggebend dafür sein, ob eine Reise überhaupt stattfinden kann. Während in Europa über die Zukunft des Luftverkehrs debattiert wird, bleibt der Zugang zu bezahlbaren Tarifen daher ein relevanter Teil der Debatte darüber, wer am grenzüberschreitenden sozialen, familiären und kulturellen Leben teilhaben kann.
Quellen und Links
Simon Ormiston and Méabh Mc Mahon, Euronews, 20 October 2026: Ryanair CEO calls EU chief Ursula von der Leyen “useless” and demands tax on US and Chinese airlines.
Euronews video interview, 20 October 2026: Ryanair CEO calls Ursula von der Leyen “useless”.
Doloresz Katanich, Euronews, 21 October 2026: Ryanair CEO predicts biggest airfare rise in European history.
