Wenn KI Rentenexperten spielt

20 Accounts verbreiten falsche Rentennachrichten

BR24 fand 20 Accounts mit KI Avataren und falschen Rentenmeldungen. Der AI Act verlangt mehr Transparenz.

Deepfakes zur Rente erscheinen auf einem Smartphone, während eine ältere Person die darin genannte Behauptung prüft.
Deepfakes zur Rente erscheinen auf einem Smartphone, während eine ältere Person die darin genannte Behauptung prüft.
iksHaus | KI-generiert nach redaktioneller Konzeption, 2026 | EDITOR: iksHaus
August 30, 2026

Deepfakes zur Rente erreichen ein großes Publikum. BR24 fand neun YouTube Kanäle und elf TikTok Kanäle mit Hunderten KI Videos zu Rententhemen. Ein einzelner Clip kam auf fast 140.000 Aufrufe. Gleichzeitig verzeichnete Google Trends in Deutschland mehr als 100.000 Suchen nach dem Begriff „rentner“ und ein Plus von rund 1.000 Prozent.

Die Videos verbinden professionell wirkende KI Avatare mit falschen Zahlen und dringlichen Botschaften. Der Fall betrifft Deutschland, doch die Transparenzregeln des europäischen AI Act sind auch für Menschen in Österreich relevant.

Was behaupten Deepfakes zur Rente?

Deepfakes zur Rente werden anhand von Rentenzahlen, Unterlagen und einer Darstellung auf dem Smartphone überprüft.

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In einem von BR24 untersuchten Video tritt ein älter wirkender Mann im Anzug als vermeintlicher Rentenexperte auf. Er behauptet, 2,2 Millionen Rentenbescheide seien wegen Berechnungsfehlern falsch. Die Deutsche Rentenversicherung Bund und der Sozialverband VdK widersprachen dieser Darstellung.

Nach den von der Deutschen Rentenversicherung an BR24 übermittelten gerundeten Zahlen wurden 2025 rund zwei Millionen Rentenbescheide erlassen. Bei etwa 167.000 davon lief ein Widerspruchsverfahren. Tatsächlich traten in 1.400 Fällen Fehler auf. Individuelle Fehler sind damit nicht ausgeschlossen, die Zahlen widersprechen aber der viralen Millionenbehauptung.

Aus den gerundeten Ausgangswerten ergeben sich Näherungswerte von rund 0,07 Prozent Fehlern bezogen auf zwei Millionen Bescheide und rund 0,84 Prozent bezogen auf 167.000 Widerspruchsverfahren. Diese Werte lassen sich nicht auf alle Rentenabrechnungen übertragen. Sie zeigen jedoch, welche Größenordnung das Video ausblendet.

Weitere untersuchte Clips behaupteten, der Staat habe 240 Milliarden Euro aus der Rentenkasse gestohlen oder ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts stelle die gesamte Rentenpolitik auf den Kopf. Auch diese Aussagen hielten dem Faktencheck nicht stand. Die Deutsche Rentenversicherung erklärte gegenüber BR24: „Auch werden häufig Auswirkungen in finanzieller Hinsicht in den Vordergrund gestellt, die in der Realität nicht zutreffen.“

Warum wirken künstliche Experten glaubwürdig?

Eine Rechercheperson untersucht wiederkehrende KI Avatare, die in ähnlich gestalteten Videos als Rentenexperten auftreten.

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Die von BR24 befragte Deepfake-Forscherin Maria Pawelec verweist auf den Negativity-Bias. Angst, Wut und die Aussicht auf einen Verlust ziehen besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. Beim Thema Rente können Meldungen über Geld, Sicherheit und mögliche Fehler deshalb hohe Dringlichkeit erzeugen.

Hinzu kommt der Bestätigungsfehler. Wer Institutionen bereits misstraut, kann eine dazu passende Behauptung leichter akzeptieren. Das ist kein Merkmal einer bestimmten Generation, sondern ein allgemeines menschliches Muster. KI-Produzenten können es durch ruhige Stimmen, direkte Ansprache, Anzüge und Bücherwände gezielt verstärken. Diese Merkmale vermitteln Kompetenz, belegen jedoch weder Qualifikation noch redaktionelle Verantwortung.

Richard Kuchta vom Institute for Strategic Dialogue sagte BR24, es gebe keine Daten dafür, dass ältere Altersgruppen Deepfake-Videos häufiger glauben. In der zitierten ARD-ZDF-Medienstudie 2025 gaben 2,25 Prozent der Menschen über 50 an, TikTok am Vortag genutzt zu haben. Bei YouTube waren es 11,1 Prozent. Die Clips können zudem über Angehörige, Suchergebnisse, Chats und Empfehlungen weitergeleitet werden.

BR24 fand bei einem untersuchten YouTube-Kanal Links zu einer betrügerischen Seite für Nahrungsergänzungsmittel und Medizinprodukte. Bei den übrigen 19 Accounts wurde kein vergleichbarer externer Betrugslink festgestellt. Monetarisierung oder politische Motive sind deshalb nicht für jeden Kanal belegt. Es ist gesichert, dass Kommentare und Verweildauer die Reichweite erhöhen können.

Was ändern der AI Act und die Plattformregeln?

Eine Person prüft eine virale Rentenbehauptung am Laptop und vergleicht sie mit einer offiziellen Quelle.

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Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten gemäß Artikel 50 des AI Acts grundsätzlich in der Europäischen Union. Deepfakes müssen gekennzeichnet werden. Anbieter generativer Systeme sollen außerdem maschinenlesbare Markierungen für künstlich erzeugte oder manipulierte Inhalte vorsehen. Für bestimmte ältere Systeme gilt bei technischen Pflichten eine begrenzte Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026.

Nach Angaben der Europäischen Kommission können Verstöße gegen Artikel 50 mit Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder bis zu drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Die Kommission fasst das Ziel so zusammen: „People should know when they are interacting with AI or exposed to AI-generated content.“

BR24 stellte fest, dass die meisten untersuchten YouTube-Videos als KI-erzeugt markiert waren. Bei den meisten entsprechenden TikTok-Videos fehlte eine solche Kennzeichnung. TikTok teilte BR24 mit, dass gemeldete Videos wegen Regelverstößen entfernt wurden. Danach waren weiterhin entsprechende Accounts auffindbar. Laut seiner Spam-Richtlinie untersagt YouTube die automatisierte Produktion großer Mengen sehr ähnlicher Inhalte mit nur kleinen Änderungen.

Ein Label allein bewertet den Wahrheitsgehalt nicht. Aussagekräftiger ist ein Kontextcheck: Wer betreibt den Account? Gibt es ein Impressum und eine nachvollziehbare Institution? Stimmen Datum und genannte Zahlen den Angaben der Deutschen Rentenversicherung, Rechtsquellen oder etablierter Medien überein? Viele beinahe identische Clips derselben Figur sind ein weiteres Warnsignal.

Die Deutsche Rentenversicherung warnte im Mai 2026 außerdem vor täuschend echten Phishing-Mails, bei denen KI-Sprachstil und Formulierungen imitiert. Persönliche Daten fordert sie nach eigener Aussage niemals per E-Mail an. Quellenprüfung kann deshalb sowohl vor Falschinformationen als auch vor Betrugsversuchen schützen.

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FAQ

Was sind Deepfakes zur Rente?

Das sind künstlich erzeugte oder manipulierte Videos, in denen KI-Figuren falsche oder irreführende Renteninformationen glaubwürdig präsentieren.

Wie viele Accounts fand BR24?

BR24 identifizierte neun YouTube Kanäle und elf TikTok Kanäle, insgesamt also 20 Accounts.

Waren 2,2 Millionen Rentenbescheide falsch?

Nein. Für 2025 nannte die Deutsche Rentenversicherung rund zwei Millionen Bescheide und 1.400 tatsächlich aufgetretene Fehler.

Müssen Deepfakes in der EU gekennzeichnet werden?

Ja. Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des AI Act gelten grundsätzlich seit 2. August 2026.

Wie prüfe ich eine verdächtige Rentenmeldung?

Prüfe Account, Impressum, Datum und Originalquelle. Vergleiche konkrete Zahlen mit Angaben der Deutschen Rentenversicherung oder offiziellen Rechtsquellen.