Die Rückkehr der Dunkelheit

Wem gehört die Nacht in Wien?

Wien lenkt Straßenlicht gezielter. Das spart Energie und schützt den Nachthimmel sowie nachtaktive Tiere.

Junger Mann geht nachts unter abgeschirmten Straßenleuchten durch eine ruhige Wiener Straße
Junger Mann geht nachts unter abgeschirmten Straßenleuchten durch eine ruhige Wiener Straße
iksHaus | KI-generiert nach redaktioneller Konzeption, 2026 | EDITOR: iksHaus
August 18, 2026

Lichtverschmutzung in Wien ist durch öffentliche Straßenleuchten deutlich zurückgegangen. Seit 2015 hat die Stadt deren Beitrag zur Aufhellung des Nachthimmels um rund 75 Prozent reduziert. Moderne Leuchten richten das Licht gezielt auf Straßen und Gehwege, statt Fassaden, Baumkronen und den Himmel unnötig zu erhellen.

Dunkelheit ist dabei kein Mangel. Sie ist ein natürlicher Zustand und ein Lebensraum für Insekten, Vögel, Fledermäuse und Pflanzen. Wien zeigt, dass notwendige Beleuchtung und der Schutz der Nacht miteinander vereinbar sind.

Lichtverschmutzung in Wien geht deutlich zurück

Lichtverschmutzung in Wien wird durch moderne abgeschirmte Straßenleuchten reduziert

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Seit 2015 untersucht die Kuffner Sternwarte im Auftrag der Stadt die Aufhellung des Wiener Nachthimmels. Öffentliche Straßenbeleuchtung verursachte 2015 etwa 8 Prozent der gesamten gemessenen Lichtverschmutzung. Im Jahr 2025 lag ihr Anteil bei rund 2 Prozent.

Die von Straßenleuchten verursachte Aufhellung sank damit innerhalb von zehn Jahren um etwa 75 Prozent. Erreicht wurde das vor allem durch vollständig abgeschirmte Leuchten, die kein Licht oberhalb der Horizontalen abgeben.

Anfang 2026 war rund 80 Prozent der Wiener Straßenbeleuchtung umgestellt. Die übrigen Leuchten sollen bis 2028 ersetzt werden. Laut der Wiener Umweltanwaltschaft benötigt die modernisierte Beleuchtung etwa 60 Prozent weniger Energie.

Dunkelheit ist ein Lebensraum

Zwei Fachleute beobachten nachts Tiere in einem dunklen Wiener Waldgebiet

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Nachtfalter, Käfer, Fledermäuse und viele andere Arten werden aktiv, wenn das Tageslicht verschwindet. Zahlreiche Vögel nutzen die Nacht für ihre Wanderungen. Pflanzen richten Wachstum, Blüte und Ruhephasen am natürlichen Wechsel von Licht und Dunkel aus.

Künstliches Licht kann diese Abläufe verändern. Insekten kreisen mitunter bis zur Erschöpfung um Lichtquellen und fehlen dabei bei der Nahrungssuche, der Fortpflanzung und der Bestäubung. Leuchten mit hohem Blauanteil oder UV-Anteil wirken besonders stark. Warmweißes Licht unter 3.000 Kelvin lockt deutlich weniger Insekten an als kaltweißes oder bläuliches Licht.

Zugvögel können an beleuchteten Fassaden und starken Signallichtern die Orientierung verlieren. Bei Fledermäusen unterscheiden sich die Reaktionen je nach Art. Lichtempfindliche Arten meiden beleuchtete Wege. Deshalb sind gut ausgedehnte Verbindungen zwischen Quartieren und Jagdgebieten wichtig.

  • Gewässer und Ufer
  • Waldränder und Trockenwiesen
  • Hecken und begrünte Innenhöfe
  • Brutplätze und Schlafplätze
  • Bekannte Flugrouten von Fledermäusen

Unnötiges Licht lässt sich rasch abschalten

Eine Wiener Geschäftsinhaberin schaltet nach Ladenschluss die Beleuchtung aus

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Öffentliche Straßenleuchten bilden nur einen Teil der Wiener Lichtglocke. Fassaden, Schaufenster, Werbeanlagen, Bürogebäude, Sportplätze, Parkplätze und private Gartenbeleuchtung tragen ebenfalls zur nächtlichen Helligkeit bei.

Viele Verbesserungen erfordern kein großes Bauprojekt. Schaufenster können nach Geschäftsschluss ausgeschaltet, Fassadenbeleuchtungen zeitlich begrenzt und Wege mit Bewegungsmeldern beleuchtet werden. Vorhänge und Außenjalousien verringern den Lichtaustritt aus den Innenräumen.

Bei der Earth Night 2025 reduzierte oder beendete Wien ab 22 Uhr unter anderem die Außenbeleuchtung des Rathauses, die Effektbeleuchtung an den Donaukanalbrücken sowie die Beleuchtung der Urania-Fassade. Die Aktion zeigte für eine Nacht, wie schnell sich das nächtliche Stadtbild durch weniger unnötiges Licht verändern kann.

Mehr Licht ist nicht automatisch bessere Beleuchtung

Ältere kugelförmige Straßenlaternen geben Licht nach unten, zur Seite und direkt in den Himmel ab. Ein Teil der Energie wird verbraucht, ohne den Gehweg sichtbarer zu machen.

Moderne abgeschirmte Leuchten richten das Licht mit Reflektoren und optischen Elementen auf die vorgesehene Fläche. Entscheidend sind neben der Helligkeit auch Position, Abschirmung, Lichtfarbe, Höhe und Betriebsdauer.

Gute Außenbeleuchtung klärt deshalb, wo und wann Licht gebraucht wird, welche Helligkeit ausreicht und wie sich unnötige Abstrahlung auf Bäume, Fenster oder den Himmel verhindern lässt.

LED Technik ist nicht automatisch umweltfreundlich

LED Technik spart Energie und lässt sich präzise steuern. Weil sie effizient und vergleichsweise günstig ist, können jedoch zusätzliche Flächen beleuchtet werden. Der Effizienzgewinn geht dann teilweise wieder verloren.

Umweltgerechte Außenbeleuchtung strahlt ausschließlich nach unten, verwendet warmweißes Licht und besitzt ein geschlossenes Gehäuse. Sie wird gedimmt oder ausgeschaltet, wenn sie nicht benötigt wird, und beleuchtet keine Bäume, Sträucher oder Wasserflächen.

Nicht die Technik allein entscheidet über ihre Wirkung, sondern ihre konkrete Anwendung. Weitere Hinweise bietet die Stadt Wien.

Österreich braucht gemeinsame Regeln für die Nacht

Lichtverschmutzung endet nicht an der Wiener Stadtgrenze. Gewerbegebiete, Skipisten, Sportanlagen, Parkplätze, touristische Attraktionen und private Gärten verändern den Nachthimmel in ganz Österreich.

Besonders empfindlich sind ländliche Gebiete, Naturparks, Flusstäler und alpine Regionen, in denen dunkle Nächte weitgehend erhalten geblieben sind. Österreich verfügt über einen Leitfaden für umweltfreundliche Außenbeleuchtung. Eine umfassende verbindliche gesetzliche Regelung gegen Lichtverschmutzung fehlt laut Ausgangsmaterial weiterhin.

Ein gemeinsamer Rahmen könnte Bedarf, Lichtrichtung, Lichtfarbe, Betriebsdauer und den Schutz empfindlicher Lebensräume berücksichtigen.

Wien zeigt die Wirkung vieler kleiner Veränderungen

Eine einzelne umgerüstete Straßenleuchte verändert nur einen begrenzten Bereich. Tausende richtig abgeschirmte Leuchten erzeugen jedoch einen messbaren Effekt. Weniger Licht trifft auf Fenster, Baumkronen bleiben dunkler und Insekten werden seltener angelockt.

Wien hat die durch öffentliche Straßenbeleuchtung verursachte Aufhellung seines Nachthimmels seit 2015 um rund drei Viertel reduziert. Der nächste Schritt betrifft private, gewerbliche und dekorative Beleuchtung.

Eine moderne Stadt muss die Nacht nicht vollständig erhellen. Sie kann Licht präzise dort einsetzen, wo es tatsächlich gebraucht wird.

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FAQ

Was bedeutet Lichtverschmutzung?

Damit ist künstliches Licht gemeint, das zu hell, falsch ausgerichtet, unnötig oder zur falschen Zeit eingesetzt wird.

Hat Wien seine Lichtverschmutzung bereits reduziert?

Ja. Die durch öffentliche Straßenbeleuchtung verursachte Aufhellung sank von 2015 bis 2025 um rund 75 Prozent.

Warum sind Insekten von künstlichem Licht betroffen?

Lampen können ihre Orientierung stören, dauerhaftes Kreisen auslösen und sie leichter zur Beute machen.

Ist LED Beleuchtung immer umweltfreundlich?

Nein. Entscheidend sind Lichtfarbe, Helligkeit, Abschirmung, Gehäuse und Betriebsdauer.

Macht weniger Licht eine Stadt automatisch unsicher?

Nein. Notwendige Wege können gezielt und gleichmäßig beleuchtet werden, ohne die gesamte Umgebung aufzuhellen.