Magnus Hirschfelds Institut verband ab 1919 Forschung, medizinische Behandlung, Sexualberatung, Bildung und politische Arbeit. Menschen konnten dort Fragen aussprechen, für die es andernorts kaum Raum gab.
Im Mai 1933 plünderten nationalsozialistische Studenten und SA Angehörige das Berliner Institut. Bücher, Akten, Bilder und Objekte wurden fortgetragen. Ein Teil davon verbrannte wenige Tage später auf dem Opernplatz. Hirschfeld erlebte die Zerstörung aus dem Ausland und sah später in einem Pariser Kino, wie auch seine Büste ins Feuer geworfen wurde.
Magnus Hirschfelds Institut verband Wissen und Hilfe

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Magnus Hirschfeld war Arzt, Sexualforscher, politischer Aktivist und eine bekannte Stimme der frühen homosexuellen Emanzipationsbewegung. Als jüdischer, sozialdemokratisch orientierter und pazifistischer Intellektueller wurde er früh zum Ziel antisemitischer und homophober Angriffe.
Seine Arbeit ging von den Erfahrungen jener Menschen aus, die unter gesellschaftlicher Verachtung, Strafandrohung und familiärem Druck lebten. Hirschfeld widersprach der Vorstellung, gleichgeschlechtliches Begehren sei eine moralische Entscheidung, die mit Strafe oder Scham korrigiert werden müsse. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt verstand er als Teil der menschlichen Natur.
Das 1919 eröffnete Institut war keine gewöhnliche akademische Einrichtung. Es sammelte Bücher, Fotografien, medizinische Berichte und kulturelle Zeugnisse, veranstaltete Vorträge und bildete Fachleute aus. Zugleich bot es Beratung und Behandlung für Menschen mit wenig Geld an. Manche Begriffe und Klassifikationen aus dieser Zeit gelten heute als überholt. Entscheidend war jedoch der Versuch, Vielfalt zu verstehen, statt sie auszulöschen.
Klinik, Archiv und zeitweiliges Zuhause

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Hirschfeld wohnte selbst im Institut. Auch sein Partner Karl Giese arbeitete dort und betreute die Bibliothek und Archiv. Forschung, privates Leben und politisches Engagement waren in diesem Haus eng miteinander verbunden.
Für einige Patientinnen und Patienten wurde das Institut zeitweise ebenfalls zu einem Zuhause. Wer eine Behandlung nicht bezahlen konnte, konnte dort mitarbeiten. Menschen, die aus Familien, Berufen oder Wohnungen gedrängt worden waren, fanden vorübergehend einen Ort, an dem ihre Existenz nicht grundsätzlich bestritten wurde.
Das Institut beriet zudem Menschen, die damals als Transvestiten oder als sexuelle Zwischenstufen beschrieben wurden. Diese historischen Kategorien entsprechen nicht vollständig den heutigen Begriffen für trans-, intergeschlechtliche oder nichtbinäre Menschen. Das Institut unterstützte Dokumente und medizinische Bescheinigungen, die ein Leben in selbstgewählter Kleidung erleichtern konnten. Ärztinnen und Ärzte begleiteten auch frühe geschlechtsangleichende Behandlungen. Nicht jede damalige Theorie oder Behandlung entspricht den heutigen ethischen Maßstäben.
Der Angriff auf das Institut im Mai 1933

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Im Mai 1933 marschierten nationalsozialistische Studenten zum Institut. Unterstützt von SA-Angehörigen drangen sie in das Gebäude ein, plünderten die Räume und trugen Bücher, Akten, Bilder und Objekte hinaus. Der Angriff wurde angekündigt, fotografiert und öffentlich als politische Aktion inszeniert.
Wenige Tage später verbrannte ein Teil des geraubten Materials auf dem Berliner Opernplatz. Hirschfelds Schriften lagen dort neben Werken anderer jüdischer, pazifistischer, linker und regimekritischer Autorinnen und Autoren.
Besonders schwer wog der Verlust medizinischer und biografischer Unterlagen. Darin waren intime Lebensgeschichten dokumentiert, die unter vertrauensvollen Bedingungen gesammelt worden waren. Nun gelangten Teile davon in die Hände eines Regimes, das genau diese Menschen verfolgen wollte.
Politische Arbeit gegen Paragraf 175
Das Institut stand in engem Kontakt mit der Bewegung gegen Paragraf 175. Hirschfeld hatte bereits vor der Gründung an einer Organisation mitgewirkt, die sich für die Abschaffung des Gesetzes einsetzte. Forschung sollte belegen, dass der Staat intime Beziehungen zwischen erwachsenen Männern nicht bestrafen durfte.
Für seine Gegner verkörperte Hirschfeld eine gesellschaftliche Veränderung. Er war jüdisch, international vernetzt und sprach öffentlich über Sexualität. Der Angriff auf das Institut richtete sich damit zugleich gegen jüdisches Wissen, sexuelle Reform, demokratische Öffentlichkeit und queere Selbstorganisation.
Ein Lebenswerk im Exil
Hirschfeld kehrte nach der Zerstörung nicht mehr nach Deutschland zurück. Im Exil versuchte er, seine Arbeit fortzusetzen. Das Netzwerk aus Mitarbeitenden, Patientinnen und Patienten, Aktivisten und Sammlungen ließ sich jedoch nicht an einem anderen Ort neu bilden.
Hirschfeld starb wenige Jahre später in Frankreich. Karl Giese rettete Teile seines persönlichen Nachlasses, doch ein großer Teil der Bibliothek und des Archivs blieb verloren. Einzelne Bücher tauchten Jahrzehnte später wieder auf. Stempel, Widmungen und handschriftliche Vermerke wiesen auf ihre Herkunft hin.
Warum der Verlust bis heute nachwirkt
Mit der Zerstörung des Instituts brachen Forschungslinien ab, biografische Zeugnisse verschwanden und queere Menschen verloren eine Einrichtung, die medizinische Hilfe mit politischer Anerkennung verbunden hatte.
Nach dem Krieg entstand kein gleichwertiger Wiederaufbau. Viele Menschen, für die Hirschfeld gekämpft hatte, blieben kriminalisiert oder gesellschaftlich geächtet. Die Bedeutung des Instituts liegt deshalb nicht nur in seiner Sammlung. Sie liegt auch in den Menschen, die dort behandelt, geschützt und ernst genommen wurden.

