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    EINE VERGESSENE SOZIALE INTELLIGENZ NEAPELS

    Die Kultur der Femminielli in Neapel

    Femminielli verankerten geschlechtliche Vielfalt durch Rituale und Humor in Neapels Kultur.
    Ein neapolitanischer Femminiello steht selbstverständlich im Alltag eines historischen Stadtviertels. Title DE:
    Ein neapolitanischer Femminiello steht selbstverständlich im Alltag eines historischen Stadtviertels.
    iks.haus | KI-generiert nach redaktioneller Konzeption, 2026 | EDITOR: Tomislav Bišić-Pauletić MA , psychotherapy counsellor
    Juli 28, 2026

    In Neapel existiert seit Jahrhunderten eine gesellschaftliche Figur, die allen Versuchen widersteht, eindeutig und abschließend erklärt zu werden: die Femminielli.

    Oberflächlich betrachtet handelt es sich um Menschen, die bei der Geburt dem männlichen Geschlecht zugeordnet würden, aber feminin leben oder sich als geschlechtlich fluide verstehen. Eine solche Definition verfehlt jedoch den Kern des Phänomens.

    Femminielli sind nicht ausschließlich eine Frage persönlicher Identität. Sie bildeten eine kulturelle Institution und eine Form sozialer Intelligenz, mit denen eine Gemeinschaft mit Unterschiedlichkeit, Spannung und Ungewissheit umging.

    Um ihre Bedeutung zu verstehen, müssen Sprache, Mythos, Religion und Geschichte gemeinsam betrachtet werden. Erst in ihrer Überschneidung wird sichtbar, wie sich diese besondere neapolitanische Figur entwickeln, in die Gesellschaft integrieren und über Jahrhunderte erhalten konnte.

    Was sind Femminielli? Sprache, Bedeutung und wissenschaftliche Einordnung

    Ein Femminiello ist gleichzeitig im Profil und als Spiegelung in einem neapolitanischen Schaufenster zu sehen.

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    Die Bezeichnung Femminiello stammt aus dem Neapolitanischen und geht auf das Wort femmina, also „Frau“, zurück.

    Die Endung muss dabei nicht einfach eine Verkleinerung im Sinne von „kleiner“ bedeuten. Sie kann auch etwas Eigenständiges, Spezielles oder von einer allgemeinen Kategorie Unterschiedliches bezeichnen.

    Bereits die grammatische Struktur des Begriffs weist auf eine Ambivalenz hin: Femminiello ist ein männliches Substantiv mit einem weiblichen Wortstamm.

    Die Person, die mit diesem Wort bezeichnet wird, ist in der traditionellen neapolitanischen Vorstellung weder einfach eine Frau noch ein Mann. Der Begriff beschreibt vielmehr eine gesellschaftlich erkennbare Position zwischen oder außerhalb dieser eindeutigen Kategorien.

    Die moderne Anthropologie beschreibt Femminielli häufig als traditionelle dritte Geschlechterrolle. Gemeint sind Personen, die bei der Geburt dem männlichen Geschlecht zugeordnet würden, aber in einer femininen oder geschlechtlich fluiden sozialen Rolle leben.

    Entscheidend ist, dass es sich um eine kulturell anerkannte und nicht primär medizinisch definierte Kategorie handelt.

    Die Identität entsteht nicht ausschließlich aus dem inneren Empfinden eines einzelnen Menschen. Sie entwickelt sich zugleich durch die Beziehung zur Nachbarschaft, zur Familie, zu Ritualen und zur gesamten symbolischen Ordnung der Stadt.

    Der geschlechtliche Ausdruck eines Femminiellos war damit in einen breiten gesellschaftlichen Kontext eingebettet. Er war Teil einer spezifisch mediterranen urbanen Kultur.

    Während LGBTIQ+-Identitäten in vielen westlichen Gesellschaften historisch vor allem als Abweichung, Sünde, Krankheit oder soziale Ausgrenzung definiert würden, stellte die neapolitanische Kultur den Femminielli zumindest innerhalb bestimmter lokaler Strukturen eine erkennbare gesellschaftliche Position zur Verfügung.

    Das bedeutet nicht, dass ihr Leben frei von Diskriminierung, Armut oder Gewalt war.

    Es bedeutet jedoch, dass sie nicht vollständig außerhalb der Erzählung der Stadt standen. Neapel besaß eine Sprache, Rituale und soziale Rollen, durch die ihre Existenz im kollektiven Leben lesbar wurde.

    Femminielli entsprechen dem modernen Begriff der Transgeschlechtlichkeit nicht vollständig.

    Sie wären weder primär eine politische noch ausschließlich eine individuelle Identitätskategorie. Sie wären nicht notwendigerweise mit einer medizinischen Transition verbunden und beruhten nicht allein auf persönlicher Selbstdefinition.

    Ihre Bedeutung entstand innerhalb eines kollektiven symbolischen Systems.

    Schon beim ersten Kontakt mit diesem Phänomen wird deutlich, wie eng es mit der Geschichte, der Freiheit und der sozialen Eigenart Neapels verbunden ist.

    In früheren Zeiten wären Femminielli im alltäglichen Leben der Stadtteile offenbar zahlreicher und sichtbarer als heute.

    Sie existieren weiterhin, jedoch in veränderter Form. Ihre traditionelle Rolle ist in vielen Vierteln weniger präsent. Gleichzeitig treten sie häufiger in kulturellen, dokumentarischen und aktivistischen Kontexten auf.

    Oft werden sie heute im zeitgenössischen LGBTIQ+-Diskurs interpretiert. Dieser kann wichtige neue Formen politischer Sichtbarkeit ermöglichen, erfasst jedoch nicht immer die gesamte ursprüngliche soziale Funktion der Femminielli.

    Warum Femminielli als Glücksbringer galten

    Ein älterer Femminiello deutet gemeinsam mit Nachbarn einen Traum mithilfe von Zahlen und Alltagsobjekten.

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    Die neapolitanische Kultur besitzt eine lange Tradition des Glaubens an Glück, Schicksal und Zeichen.

    Glück gilt darin nicht nur als zufälliges Ereignis. Es kann angerufen, interpretiert und unter bestimmten Umständen sogar vermittelt werden.

    Femminielli nahmen in diesem symbolischen System eine besondere Rolle ein.

    Ihre Bedeutung war eng mit ihrer liminalen Position verbunden.

    Liminalität bezeichnet einen Zustand an einer Grenze oder Schwelle. Wer nicht vollständig zu einer einzigen gesellschaftlichen Kategorie gehört, befindet sich symbolisch näher am Unbekannten, am Schicksal und manchmal auch am Übernatürlichen.

    Femminielli würden deshalb als mögliche Vermittler zwischen unterschiedlichen Welten verstanden.

    Sie bewegten sich zwischen Männlichem und Weiblichem, zwischen Alltag und Ritual, zwischen Ernst und Humor, zwischen Heiligem und Profanem.

    Aus dieser Zwischenposition entstand die Vorstellung, dass sie eine besondere Nähe zu Glück, Vorzeichen oder verborgenen Bedeutungen haben könnten.

    Ein zentraler Bestandteil dieser Kultur ist die Smorfia napoletana.

    Dabei handelt es sich um ein traditionelles System, in dem Träume, Körperteile, Tiere, Personen und alltägliche Ereignisse bestimmten Zahlen zugeordnet werden.

    Diese Zahlen werden anschließend unter anderem für Lotteriespiele verwendet.

    Ein Traum war in diesem System nicht einfach ein privates psychisches Erlebnis. Er konnte als verschlüsselte Botschaft verstanden werden, die in Zahlen übersetzt werden musste.

    Femminielli wirkten bei solchen Interpretationen häufig als Vermittler. Sie halfen dabei, Träume zu deuten, Zahlen auszuwählen oder das Spiel rituell zu begleiten.

    Damit würden sie zu Interpreten des Schicksals.

    Ihre Rolle beruhte nicht nur auf Aberglauben. Sie erforderte soziale Sensibilität, kulturelles Wissen, Menschenkenntnis, Improvisation sowie die Fähigkeit, die Stimmung einer Gruppe zu lesen.

    Volksrituale: Tombola und alltägliche Symbolik

    Ein Femminiello leitet in einem neapolitanischen Innenhof eine lebhafte Tombola für die Nachbarschaft.

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    Eines der wichtigsten Rituale, mit denen Femminielli verbunden wären, war die neapolitanische Tombola.

    Sie ähnelt äußerlich einem Zahlenspiel oder Bingo, ist jedoch weit mehr als ein gewöhnliches Gesellschaftsspiel.

    Besonders während der Weihnachtszeit versammelt die Tombola Familien, Freundeskreise und ganze Nachbarschaften.

    Jede gezogene Zahl besitzt eine traditionelle Bedeutung, die mit Träumen, Körpern, Figuren, Ängsten, Sexualität oder Alltagssituationen verbunden sein kann.

    Die Person, die das Spiel leitet, liest nicht nur Zahlen vor.

    Sie interpretiert, kommentiert, improvisiert und verwandelt das Spiel in eine gemeinsame Erzählung.

    Dafür sind Charisma, Humor, sprachliche Schnelligkeit und die Fähigkeit erforderlich, die Aufmerksamkeit einer Gruppe aufrechtzuerhalten.

    Femminielli würden in dieser Rolle besonders geschätzt.

    Sie verbanden Performativität, symbolisches Wissen und Komik. Dadurch verliehen sie der Tombola einen rituellen Charakter.

    Ihre Kommentare können zweideutig, frech oder provokant sein. Gleichzeitig half ihr Humor, Spannungen zu reduzieren und schwierige Themen innerhalb der Gruppe aussprechbar zu machen.

    Die Tomb wurde dadurch zu einem sozialen Raum, in dem Ordnung und Unordnung für einige Stunden gleichzeitig existieren könnten.

    Femminielli nahmen auch an Hochzeiten, Familienfesten und lokalen katholischen Prozessionen teil.

    Besonders bedeutsam war ihre Rolle in Situationen familiärer Spannung.

    Durch Humor, Symbolik und ritualisierte Übertreibung können sie Konflikte entschärfen, ohne sie direkt zu leugnen.

    Sie erfüllten damit eine psychologische und gesellschaftliche Funktion.

    Sie wären nicht nur Unterhaltung.

    Sie halfen einer Gemeinschaft dabei, mit Ambivalenz umzugehen.

    Woher kommen die Femminielli? Ein lokales Phänomen mit tiefen Wurzeln

    Ein Femminiello bewegt sich selbstverständlich durch den Alltag eines historischen Viertels von Neapel.

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    Femminielli kamen nicht als fertige kulturelle Figur von außen nach Neapel.

    Sie entstanden innerhalb der neapolitanischen Gemeinschaft selbst.

    Gleichzeitig zogen viele junge Menschen aus kleineren und konservativeren Orten der Umgebung nach Neapel. Manche verließen ihre Herkunftsorte aufgrund ihres Geschlechtsausdrucks oder ihrer sexuellen Orientierung.

    In der Großstadt hatten sie eher die Möglichkeit, sichtbar zu leben und Teil einer Gemeinschaft zu werden.

    Die kulturellen Wurzeln des Phänomens reichen dennoch tief in die mediterrane Geschichte zurück.

    In der griechischen und römischen Antike gab es religiöse Figuren und Rituale, in denen geschlechtliche Grenzen überschritten oder zeitweise aufgehoben würden.

    In dionysischen Ritualen könnten feste Rollen von Geschlecht, Vernunft und sozialer Ordnung in Bewegung geraten.

    Auch im Kult der Göttin Kybele gab es Priester, die außerhalb der üblichen männlichen Normen lebten.

    Femminielli sind nicht einfach eine direkte Fortsetzung dieser antiken Figuren.

    Eine solche Behauptung würde unterschiedliche historische Kontexte zu stark vereinfachen.

    Dennoch zeigt die mediterrane Geschichte, dass geschlechtliche Zwischenpositionen, rituelle Umkehrungen und nicht binäre soziale Rollen in dieser Region keine moderne Erfindung sind.

    Neapel war über Jahrhunderte ein Ort der Begegnung unterschiedlicher Kulturen.

    Griechische, römische, christliche, spanische und lokale Traditionen überlagerten sich in der Stadt.

    Neapel entwickelte daraus keine vollständig einheitliche Ordnung. Die Stadt bewahrte Widersprüche, vermischte Einflüsse und integrierte Elemente, die in anderen Gesellschaften möglicherweise stärker voneinander getrennt worden wären.

    In diesem kulturellen Raum könnten sich auch die Femminielli entwickeln.

    Sie wären kein fremder Zusatz zur Stadt.

    Sie wären eines ihrer eigenen sozialen Produkte.

    Historischer Kontext: Die Vier Tage von Neapel

    Ein Femminiello unterstützt während der Vier Tage von Neapel gemeinsam mit anderen Zivilisten den lokalen Widerstand.

    iks.haus | KI-generiert nach redaktioneller Konzeption, 2026

    Ein Ereignis, das die Femminielli über den lokalen Kontext hinaus sichtbar machte, wären die sogenannten Vier Tage von Neapel.

    Diese Sichtbarkeit entstand nicht primär durch eine von den Femminielli selbst organisierte öffentliche Darstellung. Sie entwickelte sich aus lokalen Erinnerungen und Berichten neapolitanischer Widerstandskämpfer, die von deren Beteiligung berichteten.

    Die Vier Tage von Neapel bezeichnen den Volksaufstand vom 27. bis zum 30. September 1943.

    Nach dem Sturz des faschistischen Regimes und dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten besetzten deutsche Truppen die Stadt.

    In Neapel entstand daraufhin ein spontaner Aufstand gegen die nationalsozialistische Besatzung.

    Es handelte sich nicht um eine klassisch organisierte militärische Operation.

    Arbeiter, Frauen, Jugendliche, Kinder, ältere Menschen, ehemalige Soldaten und andere Stadtbewohner beteiligten sich am Widerstand.

    Innerhalb von vier Tagen gelang es der Bevölkerung, die deutschen Truppen zum Rückzug aus Neapel zu zwingen, bevor die alliierten Einheiten die Stadt erreichten.

    Auch Femminielli werden in lokalen Überlieferungen als Teil dieses Widerstands erwähnt.

    Sie kämpften, halfen bei der Versorgung, transportierten Nachrichten und unterstützten ihre Viertel gemeinsam mit anderen Bewohnern.

    Diese Beteiligung hat eine besondere symbolische Bedeutung.

    Sie zeigt, dass Femminielli nicht einfach außerhalb der Gesellschaft standen.

    In einem historischen Moment, in dem die gesamte Stadt als Gemeinschaft handeln musste, würden sie nicht als fremde Randgruppe wahrgenommen, sondern als Teil des Volkes.

    Die Vier Tage von Neapel zeigen die Stärke kollektiver Identität und die Fähigkeit einer Gemeinschaft, außerhalb formaler Institutionen zu handeln.

    Für die Geschichte der Femminielli bestätigen sie, dass deren gesellschaftliche Position nicht auf Unterhaltung, Ritual oder private Toleranz beschränkt war.

    Sie gehörten zur sozialen und politischen Substanz der Stadt.

    Das Heiligtum von Montevergine

    Femminielli und andere Pilger steigen singend zum Heiligtum von Montevergine hinauf.

    iks.haus | KI-generiert nach redaktioneller Konzeption, 2026

    Montevergine ist ein Benediktinerheiligtum in den Bergen Kampaniens, unweit von Neapel.

    Es ist vor allem für die Verehrung der Madonna di Montevergine bekannt, einer dunkel dargestellten Marienikone, die in der lokalen religiösen Kultur eine besondere Bedeutung hat.

    Jedes Jahr findet am 2. Februar, dem katholischen Fest der Darstellung des Herrn beziehungsweise Mariä-Mariä-Mess, eine Wallfahrt nach Montevergine statt.

    An dieser Wallfahrt nehmen auch Femminielli und zahlreiche LGBTIQ+ Pilger teil.

    Gesang, Tanz, Gebet und traditionelle Instrumente schaffen eine Atmosphäre, die zugleich religiös und karnevalesk wirkt.

    Die Grenze zwischen feierlicher Andacht und körperlicher Freude wird dabei nicht vollständig aufgehoben, sondern neu angeordnet.

    Das Heilige erscheint nicht ausschließlich still, kontrolliert und distanziert.

    Es wird laut, körperlich und gemeinschaftlich.

    Für viele marginalisierte Menschen ist Montevergine dadurch zu einem Ort des Schutzes und der Zugehörigkeit geworden.

    Das Heiligtum wird heute von vielen LGBTIQ+-Katholiken als besonderer Wallfahrtsort verstanden.

    Menschen, die innerhalb kirchlicher Strukturen oft Zurückweisung erfahren haben, fanden dort einen religiösen Raum, in dem ihre Existenz nicht automatisch als Widerspruch zum Glauben galt.

    Diese Bedeutung ist eng mit einer Legende verbunden, wonach die Madonna alle ihre Kinder annimmt, unabhängig davon, wie sie leben oder wen sie lieben.

    Montevergine zeigt dadurch eine eigentümliche Verbindung zwischen traditioneller Volksreligion und geschlechtlicher Vielfalt.

    Die Femminielli stehen dort nicht einfach außerhalb des Katholizismus.

    Sie werden Teil einer religiösen Praxis, die das Heilige als Schutz vor gesellschaftlicher Verurteilung interpretiert.

    Die Legende der zwei jungen Männer

    Zwei junge Männer stehen frei neben einer gelösten Fessel vor dem Heiligtum von Montevergine.

    iks.haus | KI-generiert nach redaktioneller Konzeption, 2026

    Eine lokale Legende erzählt von zwei jungen Männern, die wegen ihrer Liebe bestraft würden.

    Sie würden an einen Pfahl gebunden und in der Kälte zurückgelassen, um zu sterben.

    Nach der Überlieferung erschien ihnen die Jungfrau Maria, ritt an sie heran und rettete ihr Leben.

    Damit setzte sie das Urteil der Gesellschaft außer Kraft.

    An dem mit der Legende verbundenen Ort befindet sich heute die Basilika, zu der zahlreiche Gläubige pilgern.

    Historisch lässt sich eine solche Erzählung nicht als dokumentiertes Ereignis behandeln.

    Ihre Bedeutung liegt vor allem in ihrer symbolischen Funktion.

    Die Gesellschaft verurteilt in der Legende eine Liebe, die sie weder verstehen noch akzeptieren kann.

    Das Heilige greift jedoch ein.

    Die religiöse Macht bestätigt nicht die gesellschaftliche Strafe, sondern widerspricht ihr.

    Dadurch wird das Verbotene nicht ausgelöscht, sondern legitimiert.

    Die Liebe der beiden jungen Männer wird in der Erzählung nicht als Ursache ihres Untergangs bestätigt. Sie wird unter den Schutz der Madonna gestellt.

    Für Femminielli und andere LGBTIQ+ Gläubige besitzt diese Geschichte deshalb eine besondere Kraft.

    Sie bietet eine religiöse Sprache, in der Akzeptanz nicht gegen das Heilige erkämpft werden muss.

    Das Heilige selbst wird zum Akteur der Befreiung.

    Die Legende bestätigt symbolisch, dass auch jene, die gesellschaftlich verurteilt werden, einen Platz in der Gemeinschaft und im religiösen Universum haben.

    Bekannte Femminielli und ihre heutige Präsenz

    Ein älterer Femminiello und eine jüngere queere Person stehen gemeinsam auf einer Straße in Neapel.

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    Viele Femminielli blieben außerhalb ihrer unmittelbaren Nachbarschaft anonym.

    Ihre Bedeutung lag nicht darin, öffentliche Berühmtheit zu erlangen.

    Sie wären Teil des Alltags, lokaler Beziehungen und gemeinschaftlicher Rituale.

    Einige Personen würden jedoch durch Theater, Film, Dokumentationen und anthropologische Arbeiten weit über Neapel hinaus bekannt werden.

    Zu ihnen gehört der Schauspieler Ciro Cascina, der traditionelle und moderne Dimensionen dieser Identität verkörperte.

    Seit dem späten 20. Im Laufe des Jahrhunderts würden zahlreiche weitere Femminielli in Dokumentarfilmen, Fotografien und ethnografischen Studien festgehalten.

    Solche Aufnahmen haben heute einen hohen dokumentarischen Wert.

    Sie zeigen nicht nur individuelle Lebensgeschichten, sondern auch eine gesellschaftliche Rolle, die sich zunehmend verändert oder verschwindet.

    Auch heute leben Femminielli in Neapel.

    Viele von ihnen gehören älteren Generationen an.

    Ihre Erinnerungen erzählen häufig von einer Kindheit und Jugend, in denen sie in bestimmten Vierteln nicht dieselbe Form ausdrücklicher Stigmatisierung erlebten, die moderne Beobachter möglicherweise erwarten würden.

    Das bedeutet nicht, dass ihr Leben frei von Gewalt, Armut oder Ausgrenzung war.

    Es bedeutet, dass die lokale Kultur Formen des Erkennens und der Einordnung aufweist, die sich nicht vollständig mit den heutigen Identitätskategorien decken.

    Viele ältere Femminielli erleben deshalb die moderne Sprache der Transidentität, Homosexualität oder Queerness ambivalent.

    Diese Begriffe können Schutz, Rechte und politische Sichtbarkeit gewährleisten.

    Gleichzeitig entsprechen sie nicht immer der Art, wie die Betroffenen ihr eigenes Leben und ihre gesellschaftliche Funktion verstehen.

    Der traditionelle Femminiello war nicht nur eine private geschlechtliche Identität.

    Er war Nachbar, Unterhalter, Vermittler, Ritualführer, Glücksbringer und Teil des sozialen Gedächtnisses.

    Mit der Veränderung der Stadt, der Familienstrukturen und der lokalen Viertel verliert auch diese spezifische Rolle zunehmend ihren ursprünglichen gesellschaftlichen Raum.

    Mehr als eine Identität

    Das Phänomen der Femminielli zeigt, dass selbst eine tief religiöse und stark patriarchale Gesellschaft komplexe Formen entwickeln kann, um mit Unterschiedlichkeit umzugehen.

    Diese Formen wären nicht frei von Widersprüchen.

    Sie bedeuteten nicht vollständige Gleichberechtigung.

    Doch sie ermöglichten eine Art kultureller Integration, die über bloße Duldung hinausging.

    Durch Ritual, Religion, Mythos, Humor und alltägliche Beziehungen würden Feminelli zu Brücken zwischen gesellschaftlichen Kategorien.

    Sie trugen Symbolik, vermittelten zwischen Menschen und halfen, soziale Spannungen zu regulieren.

    Ihre Existenz war dadurch nicht nur individuell.

    Sie besaß eine gemeinschaftliche Funktion.

    In einer Welt, die zunehmend auf eindeutigen und klar benennbaren Identitäten beruht, bietet Neapel ein anderes historisches Modell.

    In diesem Modell wird die Unterschiedlichkeit nicht vollständig gelöst.

    Sie wird auch nicht beseitigt.

    Sie wird in die Struktur der Gemeinschaft integriert.

    Gerade darin liegt die vergessene soziale Intelligenz der Femminielli.

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    Kontext / FAQ

    Was bedeutet der Begriff Femminiello?Femminiello ist ein neapolitanischer Begriff für eine traditionelle gesellschaftliche Geschlechterrolle. Er bezeichnet meist eine bei der Geburt männlich zugewiesene Person, die feminin oder geschlechtlich fluide lebt und innerhalb der lokalen Gemeinschaft eine kulturell anerkannte Position besitzt.
    Sind Femminielli dasselbe wie transgeschlechtliche Personen?Nicht vollständig. Es gibt Überschneidungen, doch Femminielli entstanden innerhalb eines spezifischen neapolitanischen Systems aus Ritual, Nachbarschaft, Religion und sozialer Funktion. Die Kategorie basiert nicht ausschließlich auf individueller Geschlechtsidentität oder medizinischer Transition.
    Warum galten Femminielli in Neapel als Glücksbringer?Ihre Position zwischen gesellschaftlichen und geschlechtlichen Kategorien wurde symbolisch mit Schicksal, Übergängen und dem Übernatürlichen verbunden. Femminielli wirkten außerdem bei der Deutung von Träumen, der Smorfia napoletana und traditionellen Zahlenspielen mit.
    Welche Rolle spielen Femminielli bei der Wallfahrt nach Montevergine?Femminielli und andere LGBTIQ+ Pilger nehmen traditionell an der Wallfahrt zu Mariä Lichtmess teil. Durch Gesang, Tanz und Gebet wurde Montevergine für viele zu einem religiösen Ort der Akzeptanz, Zugehörigkeit und des Schutzes.
    Gibt es Femminielli heute noch?Svi promptovi koriste dokument samo kao tematsku i atmosferičnu referencu. Nijedna postojeća fotografija, osoba, poza, kadar, kostim ili kompozicija ne smiju se reproducirati.