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Auf Story teilen Es ist schwer zu erklären, aber das Warten auf den Eurovision Song Contest fühlt sich jedes Mal anders an. Jede Ausgabe bringt ein neues Versprechen mit sich. Dieses Jahr ist Wien an der Reihe. Zum dritten Mal richtet die Stadt den größten Musikwettbewerb der Welt aus. Wer 2015 dabei war, weiß: Die […]

Wien feiert dieses Jahr kein gewöhnliches Festival, sondern macht Geschichte.

Der Eurovision Song Contest 2026 bringt 70 Jahre Musik, Queerness und Barrierefreiheit nach Wien. Die Stadt macht Geschichte.

Es ist schwer zu erklären, aber das Warten auf den Eurovision Song Contest fühlt sich jedes Mal anders an. Jede Ausgabe bringt ein neues Versprechen mit sich. Dieses Jahr ist Wien an der Reihe. Zum dritten Mal richtet die Stadt den größten Musikwettbewerb der Welt aus. Wer 2015 dabei war, weiß: Die Österreicher geben immer alles.

Der 70. Eurovision Song Contest beginnt am 10. Mai mit der Eröffnungszeremonie auf dem Rathausplatz. Der Eintritt ist frei und alle sind willkommen. Das große Finale findet am Samstag, den 16. Mai, in der Wiener Stadthalle statt. Die beiden Halbfinale finden am 12. und 14. Mai statt. Victoria Swarovski und Michael Ostrowski moderieren die Shows. Delegationen aus 35 Ländern nehmen teil. In dieser Woche wird Wien zu etwas Besonderem: ein bisschen Musikfestival, ein bisschen politische Performance, ein bisschen queere Pilgerreise. All das passiert auf den Straßen, kostenlos und für alle. „United by Music – in the Heart of Europe.” Dieses Motto klingt dieses Jahr weniger wie Werbung und mehr wie ein echtes Manifest.

JJ, Österreich beim Eurovision Song Contest 2025 in Basel. Foto: Quejaytee / Wikimedia Commons / CC BY 4.0 / bearbeitet.

JJ, vollständiger Name: Johannes Pietsch, ist Countertenor und wurde an der Wiener Staatsoper ausgebildet. Im letzten Jahr gewann er in Basel mit „Wasted Love”. Er holte den Sieg nach Hause. Das war kein typischer Euro-Pop-Moment. Das Publikum entschied sich für etwas Verletzliches, Unerwartetes und Unkategorisierbares. Jetzt bringt dieser Moment den Wettbewerb zurück in die Stadt, die ihn geprägt hat.

Aber der ESC 2026 ist mehr als nur die Geschichte des Vorjahressiegers. Diese Ausgabe steht für 70 Jahre Musik, Identität und ein Europa im Wandel. Jedes Jahr gibt es ein Lied, einen Auftritt und eine Fahne im Publikum.

Queerness ist beim Eurovision kein Schlagwort, sondern ein Archiv.

Dana International, die 1998 in Birmingham als erste Transfrau den Eurovision Song Contest gewann. Conchita Wurst holte 2014 den Sieg für Österreich aus Kopenhagen. Sie ist dafür verantwortlich, dass Wien heute berühmte Ampel-Pärchen in gleichgeschlechtlichen Konstellationen hat. Diese stehen seitdem dauerhaft im Stadtbild. Nemo gewann 2024 als offen nicht-binäre Person für die Schweiz. Jeder dieser Siege war mehr als nur Musik. Er war ein Signal.

Was den ESC 2026 von früheren Ausgaben unterscheidet, ist etwas ganz Konkretes: Es ist der bisher zugänglichste Eurovision Song Contest. Im Januar 2026 veranstaltete der ORF Castings für ISL-Performer. Neun Menschen aus Linz, Shanghai, Wien, Berlin, Bielefeld und Hamburg wurden ausgewählt. Ihre Aufgabe ist es, jede Wettbewerbsnummer in eine visuelle Performance in internationaler Gebärdensprache zu übersetzen. Diese Performances wurden in monatelangen Workshops gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern entwickelt. Das ist keine nachträgliche Idee, sondern Teil der Produktion.

Vibrationswesten machen Musik durch die Haut spürbar. Die neun ISL-Performer kommen aus sieben Ländern. Eine App namens Accessify unterstützt das Angebot. Das ist keine symbolische Geste, sondern echte Infrastruktur.

Außerdem gibt es Vibrationswesten für hörbeeinträchtigte Besucherinnen und Besucher, vollständige Untertitel, Audiodeskriptionen sowie die speziell entwickelte Accessify-App. Wien erhielt 2025 den EU Access City Award als europäische Stadt mit der besten Barrierefreiheit. Der ESC baut auf diesem Fundament auf, nicht daneben.

Außerdem gibt es eine Ausstellung, die das alles in einen historischen Zusammenhang stellt. „United by Queerness” im QWien-Zentrum, dem Wiener Zentrum für queere Geschichte, läuft vom 19. Februar bis zum 24. Mai. Die Ausstellung zeigt sieben Jahrzehnte der Eurovision als kulturelles und queeres Phänomen. Zu sehen sind Kostüme, Fotografien, audiovisuelle Stationen und Geschichten, die lange im Verborgenen geblieben sind, bis der ESC sie ins Licht rief. Für alle, die immer gespürt haben, dass Eurovision mehr als nur Musik ist, gibt es jetzt den Beweis auf 300 Quadratmetern.

Und dann ist da noch Auri. Das Maskottchen des ESC 2026 ist ein flauschiges, rosa-lilafarbenes Wesen mit Turnschuhen. Die Farben erinnern – bewusst oder unbewusst – an die Bisexuellen-Flagge. Auri ist zwar für Kinder gedacht, aber die Botschaft schließt niemanden aus: Glaub an dich selbst und gib anderen den Raum, das auch zu tun. Kaum etwas in der Popkultur erreicht die jüngste Generation so subtil.

Eine Woche Eurovision in Wien ist auf der Straße kostenlos, aber nicht für die Seele. Sie bringt Fragen, Geschichte und Politik mit sich. Musik fasst all das oft in drei Minuten zusammen. Das ist am Ende der Grund, warum dieses Jahr alle zur Wiener Stadthalle strömen.

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