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	<title>Geschichte in Wien: Queere Stimmen und Erinnerungen</title>
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	<description>österreichs inklusives magazin</description>
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	<title>Geschichte in Wien: Queere Stimmen und Erinnerungen</title>
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	<item>
		<title>Warum die Befreiung für viele Männer keine Freiheit war</title>
		<link>https://iks.haus/paragraf-175-nach-1945-verfolgung-rehabilitierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2026 11:25:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[hero]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexuelle Verfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsdeutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Paragraf 175]]></category>
		<category><![CDATA[Queere Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Rehabilitierung]]></category>
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					<description><![CDATA[Als das Unrecht weitergalt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5847,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/paragraf-175-nach-1945-verfolgung-rehabilitierung-landscape-scaled.webp" alt="Ein Mann wartet in einer Behörde neben geschlossenen Akten" class="wp-image-5847" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p><strong>Paragraf 175 nach 1945</strong> steht für eine Befreiung, die für viele homosexuelle Männer unvollständig blieb. Das NS-Regime war beendet, doch ihre Verurteilungen bestanden fort. Behörden betrachteten sie häufig nicht als Menschen, denen Unrecht geschehen war, sondern als Männer mit einer belastenden Akte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Haftzeiten wurden nicht selbstverständlich als politische Verfolgung anerkannt. Vielen blieb eine Entschädigung verwehrt. Wer die eigene Geschichte erzählte, riskierte neue Ermittlungen, berufliche Nachteile oder gesellschaftliche Ächtung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der siebte und letzte Teil dieser Serie zeigt, wie ein Gesetz aus der Diktatur in der demokratischen Nachkriegsordnung fortwirkte und weshalb Anerkennung und Rehabilitierung erst Jahrzehnte später folgten.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Paragraf 175 nach 1945 und das Fortwirken der Akten</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5848,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/paragraf-175-nach-1945-verfolgung-rehabilitierung-inline-1-scaled.webp" alt="Archivakte zur Geschichte von Paragraf 175 nach 1945" class="wp-image-5848" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Für andere Gruppen von Verfolgten wurde nach dem Krieg zumindest grundsätzlich anerkannt, dass nationalsozialistische Urteile Teil eines Unrechtssystems gewesen waren. Bei homosexuellen Männern galt diese Einsicht lange Zeit nicht. Ihre Verfolgung wurde als gewöhnliche Strafjustiz behandelt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das hatte direkte Folgen. Eine Entschädigung für Haft war kaum erreichbar, solange der Staat den zugrunde liegenden Vorwurf weiterhin für strafwürdig hielt. Jahre im Gefängnis oder Konzentrationslager blieben dadurch von der anerkannten Opfergeschichte ausgeschlossen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch privat setzte sich das Schweigen fort. Familien erfuhren oft nicht, weshalb ein Mann inhaftiert worden war. Partner erschienen in Nachrufen als Freunde, Dokumente verschwanden aus Nachlässen. Sichtbarkeit konnte erneut zur Gefahr werden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Die Bundesrepublik behielt die Verschärfung</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5849,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/paragraf-175-nach-1945-verfolgung-rehabilitierung-inline-2-scaled.webp" alt="Gerichtskorridor als Bild der fortgesetzten Verfolgung in Westdeutschland" class="wp-image-5849" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>In Westdeutschland blieb die von den Nationalsozialisten verschärfte Fassung des Paragrafen zunächst in Kraft. Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte verfolgten weiterhin einvernehmliche Beziehungen zwischen Männern. Briefe, Beobachtungen und Denunziationen konnten erneut Verfahren auslösen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>1957 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Strafbestimmungen für mit dem Grundgesetz vereinbar und nicht für typisch nationalsozialistisches Unrecht. Damit erhielt die weitere Kriminalisierung die Autorität des demokratischen Rechtsstaats.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Für Betroffene war das keine abstrakte juristische Entscheidung. Vorladungen, Hausdurchsuchungen und Gerichtsverfahren konnten Arbeit, Wohnung und gesellschaftlichen Ruf gefährden. Solange derselbe Paragraph neue Angeklagte hervorbringte, konnten frühere Verurteilte kaum als Opfer anerkannt werden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Reform und späte Rehabilitierung</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5850,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/paragraf-175-nach-1945-verfolgung-rehabilitierung-inline-3-scaled.webp" alt="Forschende arbeiten an Akten zur späten Rehabilitierung verurteilter Männer" class="wp-image-5850" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>In der Bundesrepublik wurde Paragraph 175 im gesellschaftlichen Wandel der späten sechziger Jahre gelockert. Eine erste wesentliche Reform erfolgte 1969. Weitere Änderungen folgten, doch die besondere strafrechtliche Regelung verschwand erst 1994 im Zuge der Rechtsangleichung nach der Wiedervereinigung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Diese Reformen waren kein geradliniger Fortschritt. Aktivisten, Juristinnen, Wissenschaftler und weitere Menschen widersprachen über Jahrzehnte hinweg öffentlich und nahmen dabei persönliche Risiken in Kauf.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Deutsche Bundestag hob 2002 nationalsozialistische Urteile wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen auf. Die gesetzliche Rehabilitierung von Menschen, die nach 1945 in beiden deutschen Staaten verurteilt worden waren, erfolgte 2017.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Ost und West gingen verschiedene Wege</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch in der sowjetischen Besatzungszone und in der späteren DDR verschwand die Kriminalisierung nicht sofort. Die Rechtspraxis entwickelte sich jedoch anders. Gerichte kehrten teilweise zu einer weniger weit gefassten Auslegung zurück. Die Verfolgung einvernehmlicher Beziehungen zwischen erwachsenen Männern verlor schrittweise an Bedeutung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Mit dem neuen Strafgesetzbuch wurde Paragraf 175 in der DDR ersetzt. Sonderregelungen für homosexuelle Kontakte mit Jugendlichen blieben zunächst bestehen. Eine mildere strafrechtliche Entwicklung bedeutete jedoch keine gesellschaftliche Gleichberechtigung. Queere Gruppen standen unter Beobachtung, Treffpunkte fehlten und öffentliche Organisation blieb eingeschränkt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Erinnerung wurde lange verweigert</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die nationalsozialistische Verfolgung homosexueller Männer blieb in Gedenkstätten, Schulbüchern und öffentlichen Zeremonien lange am Rand. Überlebende wurden selten dazu eingeladen, als solche zu sprechen. Der rosa Winkel war bekannt, doch die Menschen dahinter blieben häufig namenlos.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Queere Initiativen, Forschende und einzelne Überlebende sammelten Dokumente, führten Gespräche und suchten nach Biografien, die in Polizeiakten auf einen Straftatbestand reduziert worden waren. Die Erinnerung entstand nicht automatisch. Sie musste gegen institutionelles Desinteresse und fortbestehende Homophobie durchgesetzt werden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Eine Aufhebung heilt kein Leben</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Rehabilitierung verändert die offizielle Bedeutung einer Biografie. Aus einem rechtskräftig Verurteilten wird ein Mensch, dem der Staat Unrecht zugefügt hat. Diese Korrektur bleibt wichtig, auch wenn sie Jahrzehnte zu spät kommt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Sie kann verlorene Berufe, zerbrochene Beziehungen und Jahre der Angst nicht zurückgeben. Ein Urteil beeinflusste Beziehungen, den Beruf und das Selbstbild. Die Furcht vor Entdeckung konnte bestimmen, welche Wohnung jemand nahm und ob eine Familie jemals die Wahrheit erfuhr.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Freiheit brauchte mehr als ein Datum</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die nach 1945 weiterverfolgten Männer waren Arbeiter, Künstler, Beamte, Nachbarn, Söhne und Partner. Viele führten ein verborgenes Leben, weil der Staat ihnen kein offenes erlaubte. Ihre Geschichten gehören zur deutschen Nachkriegsgeschichte und nicht nur zu einer queeren Sondergeschichte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das späte Ende von Paragraf 175 zeigt, dass Befreiung nicht an einem einzigen Datum abgeschlossen ist. Ein politisches Regime kann fallen, während seine Vorstellungen in Gesetzen, Behörden und Familien weiterleben. Die Geschichte stellt deshalb auch die Frage, weshalb die Betroffenen erneut schweigen sollten und warum eine Demokratie so lange brauchte, um ihnen zuzuhören.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie lesbische Frauen aus der Öffentlichkeit verschwanden</title>
		<link>https://iks.haus/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-oesterreich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Aug 2026 11:56:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenverfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Henny Schermann]]></category>
		<category><![CDATA[Lesbische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
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					<description><![CDATA[Verfolgung ohne eigenen Paragrafen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5840,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-oesterreich-landscape-scaled.webp" alt="Lesbische Frauen im Nationalsozialismus werden durch eine historische Fotografie in einem Archiv thematisiert." class="wp-image-5840" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p><strong>Lesbische Frauen im Nationalsozialismus</strong> waren nicht überall derselben Rechtslage ausgesetzt. Im Deutschen Reich gab es für Beziehungen zwischen Frauen kein direktes Gegenstück zu Paragraf 175. In Österreich wurden gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Frauen hingegen ebenfalls strafrechtlich erfasst.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Fehlende einheitliche Kategorien bedeuteten keinen Schutz. Das Regime zerstörte Treffpunkte und Netzwerke, während Behörden Sexualität gemeinsam mit anderen Zuschreibungen gegen Frauen verwenden konnten. Die Geschichte von Henny Schermann zeigt, warum diese Verfolgung nicht auf einen einzigen Grund reduziert werden kann.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Lesbische Frauen im Nationalsozialismus verloren ihre Räume</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5841,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-oesterreich-inline-1-scaled.webp" alt="Lesbische Frauen im Nationalsozialismus vor einem geschlossenen Treffpunkt in einer historischen Stadtszene." class="wp-image-5841" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nach 1933 schlossen Behörden lesbische und schwule Lokale, lösten Vereine auf und verboten Zeitschriften. Frauenclubs, Tanzveranstaltungen und Nachtlokale hatten während der Weimarer Republik Orte für Beziehungen, Freundschaften, Arbeit und politische Kontakte geschaffen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Mit diesen Orten verschwand eine eigene Öffentlichkeit. Bekannte Adressen konnten überwacht, Mitgliederlisten oder frühere Zeitschriften bei Durchsuchungen gefunden werden. Manche Frauen brachen Kontakte ab, weil jede Verbindung eine Spur hinterlassen konnte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Verlust betraf auch den Alltag. Tanzabende, Redaktionen und Clubtreffen ermöglichten ein Leben außerhalb der Erwartungen von Ehe und Familie. Nach ihrer Schließung verlagerten sich Begegnungen in Wohnungen, geheime Verabredungen und sorgfältig kontrollierte Freundschaften.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Tarnung bot keine vollständige Sicherheit</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5842,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-oesterreich-inline-2-scaled.webp" alt="Zwei Frauen verwahren Briefe und Fotografien in einer Wohnung, um private Spuren zu schützen." class="wp-image-5842" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Einige Frauen wechselten ihren Wohnort oder ihren sozialen Kreis. Manche vernichteten Briefe und Fotografien. Andere gingen Ehen ein, mitunter mit homosexuellen Männern, um den gesellschaftlichen Erwartungen nach außen zu entsprechen. Solche Verbindungen konnten gegenseitigen Schutz bieten, aber auch neue Abhängigkeiten schaffen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Möglichkeiten waren ungleich verteilt. Finanzielle Unabhängigkeit, eine verständnisvolle Familie oder ein weniger überwachtes Umfeld konnten das Verbergen einer Beziehung erleichtern. Arbeiterinnen, wohnungslose Frauen und bereits behördlich erfasste Personen waren stärker von Kontrolle und Denunziation bedroht.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Tarnung verlangte ständige Aufmerksamkeit. Das Regime musste Beziehungen nicht in jedem Fall vor Gericht bringen, um den Alltag vieler Frauen grundlegend zu verändern.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">In Österreich galt eine andere Rechtslage</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5843,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/lesbische-frauen-im-nationalsozialismus-oesterreich-inline-3-scaled.webp" alt="Archivmaterial zur Rechtslage für lesbische Frauen im Nationalsozialismus in Österreich." class="wp-image-5843" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das österreichische Strafrecht kriminalisierte gleichgeschlechtliche Handlungen sowohl zwischen Männern als auch zwischen Frauen. Diese Bestimmung existierte bereits vor der nationalsozialistischen Herrschaft und blieb während des Regimes relevant.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nach dem Anschluss trafen österreichische und deutsche Rechtsordnungen aufeinander. Die Situation in Wien und in Österreich lässt sich deshalb nicht einfach aus der Rechtslage im Deutschen Reich ableiten. Frauen konnten hier auch strafrechtlich wegen gleichgeschlechtlicher Beziehungen verfolgt werden, obwohl solche Verfahren seltener waren als Verfahren gegen Männer.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Unterschiede zeigen, dass die nationalsozialistische Herrschaft Gebiete mit unterschiedlichen Gesetzen und lokalen Verfolgungspraktiken umfasste.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Kein eigenes Verbot bedeutete keinen Schutz</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Paragraf 175 richtete sich im deutschen Strafrecht gegen Männer. Nationalsozialistische Juristen erwogen eine ausdrückliche Kriminalisierung von Beziehungen zwischen Frauen, entschieden sich jedoch dagegen. Dahinter stand keine Toleranz. Das Regime betrachtete Frauen vor allem aufgrund ihrer vorgesehenen Rolle in Ehe, Haushalt und Fortpflanzung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Lesbisches Begehren galt als unerwünscht. Die Behörden gingen jedoch davon aus, es durch gesellschaftlichen Druck, wirtschaftliche Abhängigkeit oder eine Ehe kontrollieren zu können. Wenn Frauen verfolgt wurden, verwendeten die Behörden häufig andere Kategorien. Dazu gehörten politische Gegnerschaft, jüdische Herkunft oder die Einstufung als sogenannte Asoziale.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Henny Schermanns Akte zeigt mehrere Verfolgungsgründe</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Henny Schermann arbeitete als Verkäuferin in Frankfurt. Sie war Jüdin und lesbisch. Auf der Rückseite eines Fotos notierte ein nationalsozialistischer Arzt ihre jüdische Herkunft, ihre Besuche in lesbischen Lokalen und ihren Widerstand gegen staatliche Vorschriften.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Konzentrationslager Ravensbrück wurde Schermann untersucht, kategorisiert und für den Tod ausgewählt. Ihre Sexualität war nicht der einzige und wahrscheinlich auch nicht der entscheidende Grund für ihre Ermordung. Der Vermerk zeigt jedoch, dass sie von den Verfolgern wahrgenommen und gegen sie verwendet wurde.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch andere lesbische Frauen gerieten wegen politischer Arbeit oder aufgrund weiterer behördlicher Zuschreibungen in Haft. Deshalb lässt sich das Ausmaß der Verfolgung nicht zuverlässig in einer einzigen Zahl erfassen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Der Schwarze Winkel war kein Lesbenzeichen</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Es gab in Konzentrationslagern keine offizielle Kennzeichnung für lesbische Häftlinge. Der schwarze Winkel kennzeichnete Gefangene, die von den Nationalsozialisten als sogenannte Asoziale eingestuft wurden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Einzelne lesbische Frauen konnten dieser Kategorie zugeordnet werden. Andere trugen Kennzeichnungen für politische Gefangene oder wurden als Jüdinnen verfolgt. Ihre Sexualität konnte bekannt sein, ohne auf der Kleidung ein eigenes Zeichen zu tragen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Fehlen einer einheitlichen Kennzeichnung erklärt, warum viele Biografien schwer auffindbar sind. Hinweise finden sich häufig nur in Randbemerkungen, Beschimpfungen oder medizinischen Einschätzungen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Die Unsichtbarkeit setzte sich nach 1945 fort</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nach dem Ende des Krieges kehrten viele Frauen nicht zu einem offen sichtbaren Leben zurück. Beziehungen erschienen in Familiengeschichten häufig als Freundschaften. Fotos erklärten nicht, was zwei Frauen einander bedeuteten. Briefe wurden vernichtet, und gemeinsame Haushalte wurden später nicht immer als Liebesbeziehungen erkannt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch die Forschung suchte lange nach eindeutigen Opferkategorien. Wo ein eigener Paragraf, ein einheitliches Häftlingszeichen und eine zentrale Kartei fehlten, schien zunächst weniger Geschichte vorhanden zu sein. Tatsächlich war sie anders dokumentiert.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Henny Schermanns Foto macht diese Lücken sichtbar. Die Notiz der Täter definiert nicht ihr Leben. Sie zeigt jedoch, wie jüdische Herkunft, weibliche Unabhängigkeit und lesbisches Leben gemeinsam von einem gewaltsamen System bewertet wurden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was der rosa Winkel über das Leben im Lager zeigt</title>
		<link>https://iks.haus/haeftlinge-mit-rosa-winkel-verfolgung-im-kz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 16:32:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Buchenwald]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexuelle Verfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Josef Kohout]]></category>
		<category><![CDATA[Konzentrationslager]]></category>
		<category><![CDATA[Rosa Winkel]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Stück Stoff wurde zum Urteil]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5833,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/haeftlinge-mit-rosa-winkel-verfolgung-im-kz-landscape-scaled.webp" alt="Ein Stoffzeichen erinnert an Häftlinge mit rosa Winkel und an Josef Kohouts Verfolgung" class="wp-image-5833" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p><strong>Häftlinge mit rosa Winkel</strong> waren im System der Konzentrationslager sichtbar markiert. Die Kennzeichnung reduzierte Menschen auf einen von der Lagerverwaltung zugeschriebenen Grund ihrer Gefangenschaft und konnte sie zusätzlicher Gewalt aussetzen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das erhaltene Stoffzeichen von Josef Kohout trägt eine Nummer und einen rosa Winkel. Kohout kam aus Wien. Eine Beziehung zu einem Mann wurde zum Ausgangspunkt jahrelanger Verfolgung. Nach seiner Verurteilung kam er in Konzentrationslager und musste den rosa Winkel tragen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Seine Erfahrungen wurden später unter dem Namen Heinz Heger als eines der ersten ausführlichen Zeugnisse eines homosexuellen Überlebenden bekannt. Dass sein Zeichen erhalten blieb, macht aus einem Mittel der Demütigung heute ein Dokument gegen das Vergessen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Häftlinge mit rosa Winkel im System der Lager</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5834,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/haeftlinge-mit-rosa-winkel-verfolgung-im-kz-inline-1-scaled.webp" alt="Archivische Darstellung verschiedener Lagerzeichen für Häftlinge mit rosa Winkel und andere Gefangene" class="wp-image-5834" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Konzentrationslager ordneten Gefangene mit farbigen Stoffzeichen verschiedenen Kategorien zu. Diese Kennzeichnungen folgten der Logik der SS und nicht den komplexen Biografien der inhaftierten Menschen. Sie beeinflussten, wie jemand verwaltet, behandelt und von anderen wahrgenommen wurde.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Männer, die als homosexuell verfolgt und in dieser Kategorie eingewiesen wurden, mussten den rosa Winkel tragen. Andere Männer mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen konnten als politische Gefangene, Juden oder sogenannte Asoziale gekennzeichnet sein. Der rosa Winkel erfasste daher nicht alle homosexuellen Häftlinge.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die sichtbare Markierung konnte lebensgefährlich sein. Sie zeigte den Wachen der SS und Mitgefangenen, welcher Gruppe ein Mensch zugerechnet wurde. In der gewaltsamen Hierarchie der Lager konnte dies Isolation, besonders schwere Arbeit und zusätzliche Übergriffe begünstigen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Sichtbarkeit, Isolation und Zwangsarbeit</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5835,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/haeftlinge-mit-rosa-winkel-verfolgung-im-kz-inline-2-scaled.webp" alt="Historisch sensible Darstellung von Kleidung mit rosa Winkel an einem Ort der Zwangsarbeit" class="wp-image-5835" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Außerhalb der Lager hatten viele homosexuelle Männer versucht, ihre Beziehungen vor Nachbarn, Kollegen und Behörden zu verbergen. Der rosa Winkel entzog ihnen diese Kontrolle. Er machte eine staatlich definierte Identität auf ihrer Kleidung öffentlich sichtbar.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Homophobe Vorurteile bestanden auch unter anderen Gefangenen. Männer mit rosa Winkel konnten deshalb von Netzwerken ausgeschlossen werden, die Nahrung, leichtere Arbeit oder gegenseitigen Schutz ermöglichten. Die Erfahrungen unterschieden sich jedoch nach Lager, Zeitraum, Arbeitseinsatz und persönlichen Beziehungen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wachen der SS konnten Männer mit rosa Winkel besonders schweren Arbeitskommandos zuweisen. Hunger, Kälte, körperliche Erschöpfung und Gewalt wirkten zusammen. Schläge, Demütigungen und sexualisierte Übergriffe gehörten ebenfalls zur Verfolgung. Überleben konnte von einem anderen Arbeitseinsatz, der Hilfe eines Mitgefangenen oder der Entscheidung eines Wächters abhängen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Pseudomedizinische Versuche in Buchenwald</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5836,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/haeftlinge-mit-rosa-winkel-verfolgung-im-kz-inline-3-scaled.webp" alt="Leerer medizinischer Raum als sachliche Darstellung der pseudomedizinischen Versuche in Buchenwald" class="wp-image-5836" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Konzentrationslager Buchenwald führte der dänische Arzt der SS Carl Værnet Operationen an homosexuellen Häftlingen durch. Er behauptete, gleichgeschlechtliches Begehren durch hormonelle Eingriffe verändern zu können. Die Gefangenen wurden dabei nicht als Patienten behandelt, sondern für eine pseudomedizinische Idee benutzt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Versuche standen in einem größeren Umfeld medizinischer Verbrechen. Gefangene konnten nicht frei zustimmen. Es gab keine unabhängige Kontrolle und keinen Schutz der Versuchspersonen. Die Sprache von Behandlung und Heilung verschleierte den Zwang.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Selbst die Hoffnung, durch eine Teilnahme bessere Haftbedingungen zu erhalten, entstand innerhalb eines Systems, das über die Körper der Gefangenen verfügte. Die Eingriffe verbanden medizinische Gewalt mit dem nationalsozialistischen Ziel, gleichgeschlechtliches Begehren als angebliche Abweichung zu beseitigen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Nach der Strafe konnte weitere Haft folgen</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nicht jeder nach Paragraf 175 verurteilte Mann kam in ein Konzentrationslager. Viele verbüßten ihre Strafe in Gefängnissen oder Zuchthäusern. Für manche endete die staatliche Gewalt danach jedoch nicht.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Gestapo und Kriminalpolizei konnten Männer erneut festnehmen und in sogenannte Schutzhaft bringen. Der Begriff verdeckte eine Haft ohne reguläres neues Strafverfahren. Bereits angelegte Akten, frühere Beziehungen oder polizeiliche Einschätzungen konnten weitere Verfolgung ermöglichen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Dieser Übergang von der Justiz zum Lagerterror zeigt die Verbindung zwischen Strafrecht und Polizeiapparat. Wer einmal registriert war, blieb für weitere Maßnahmen erreichbar.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Nach der Befreiung blieb das Sprechen riskant</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Viele homosexuelle Überlebende konnten nach der Befreiung nicht offen über den Grund ihrer Verfolgung sprechen. Das Gesetz, das ihre Beziehungen kriminalisierte, bestand weiter. Auch gesellschaftliche Vorurteile verschwanden nicht.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Deshalb blieben zahlreiche Geschichten in Familien und öffentlichen Erinnerungen lange unausgesprochen. Manche Überlebende veränderten Namen oder Einzelheiten, andere schwiegen vollständig. In den großen Erzählungen über die Konzentrationslager fanden ihre Erfahrungen lange kaum einen anerkannten Platz.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Josef Kohouts Erfahrungen erschienen unter einem Pseudonym. Der Name Heinz Heger machte die Geschichte bekannt, schützte aber zunächst zugleich die Person dahinter. Das zeigt, wie schwierig öffentliches Zeugnis unter fortbestehender Ausgrenzung war.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Vom Zwangszeichen zum Erinnerungszeichen</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Spätere queere Bewegungen übernahmen den rosa Winkel als Erinnerungszeichen. Ein Symbol der nationalsozialistischen Klassifikation wurde damit gegen seine ursprüngliche Bedeutung missbraucht. Es stand nun für die Erinnerung an Verfolgung und politischen Widerstand gegen das Vergessen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Diese Umdeutung darf die ursprüngliche Gewalt nicht verdecken. Im Lager war der Winkel keine frei gewählte Identität. Er wurde aufgenäht, um Menschen zu markieren und in eine gewaltsame Hierarchie einzuordnen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Josef Kohouts Stoffzeichen bewahrt diesen Widerspruch. Es dokumentiert den Versuch, einen Menschen auf eine Kategorie zu reduzieren. Zugleich verweist es auf eine Biografie, die sich weder durch Nummer noch durch Farbe erfassen lässt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alexander der Große jenseits moderner Etiketten</title>
		<link>https://iks.haus/sexualitaet-alexanders-des-grossen-quellen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 15:55:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander der Große]]></category>
		<category><![CDATA[Antike]]></category>
		<category><![CDATA[Bagoas]]></category>
		<category><![CDATA[Hephaistion]]></category>
		<category><![CDATA[Historiografie]]></category>
		<category><![CDATA[Makedonien]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
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					<description><![CDATA[Antike, Macht und Begehren]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5825,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/sexualitaet-alexanders-des-grossen-quellen-landscape-scaled.webp" alt="Historische Quellen zu Alexander dem Großen auf einem Studientisch" class="wp-image-5825" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Alexander III. von Makedonien, bekannt als Alexander der Große, lebte von 356 bis 323 v. Chr. In dreizehn Regierungsjahren besiegte er das persische Achämenidenreich und veränderte die politische und kulturelle Ordnung der antiken Welt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die <strong>Sexualität Alexanders des Großen</strong> lässt sich dennoch nicht eindeutig bestimmen. Kein zeitgenössischer Bericht über sein Leben ist vollständig erhalten. Die maßgeblichen Darstellungen entstanden erst Jahrhunderte später und folgten jeweils eigenen politischen, moralischen oder literarischen Interessen. Für die heutige Lektüre in Österreich ist deshalb entscheidend, antike Beziehungen nicht vorschnell mit modernen Identitätsbegriffen gleichzusetzen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Sexualität Alexanders des Großen im Quellencheck</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5826,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/sexualitaet-alexanders-des-grossen-quellen-inline-1-scaled.webp" alt="Die Sexualität Alexanders des Großen wird anhand später antiker Quellen untersucht" class="wp-image-5826" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das heutige Wissen beruht vor allem auf Arrian, Plutarch, Quintus Curtius Rufus, Diodor und Justin. Sie griffen auf heute verlorene Berichte von Alexanders Zeitgenossen und Generälen zurück. Arrian konzentrierte sich auf Feldzüge und Verwaltung. Plutarch suchte nach charakterlichen Tugenden und Schwächen. Curtius Rufus deutete Alexanders Leben als Geschichte moralischen Verfalls durch uneingeschränkte Macht. Diodor und Justin bevorzugten häufig dramatische Episoden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Diese Distanz erschwert Aussagen über Alexanders Privatleben. Begriffe wie heterosexuell, homosexuell oder bisexuell stammen aus einer wesentlich späteren Epoche. In der griechischen und makedonischen Antike wurden sexuelle Beziehungen stärker nach Alter, gesellschaftlichem Status und Machtverteilung bewertet.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch Berichte über Alexanders frühe Zurückhaltung bleiben mehrdeutig. Eine Erzählung über die thessalische Kurtisane Kallixena wurde von antiken Autoren als Beleg für Selbstbeherrschung verstanden. Moderne Deutungen sahen darin dagegen einen möglichen Hinweis auf ein geringes Interesse an Frauen. Keine dieser Lesarten lässt sich endgültig beweisen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Politische Ehen und die Ordnung des Hofes</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5827,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/sexualitaet-alexanders-des-grossen-quellen-inline-2-scaled.webp" alt="Historisch orientierte Darstellung der politisch geplanten Hochzeiten von Susa" class="wp-image-5827" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Alexander wuchs am Hof seines Vaters Philipp II. auf. Dort waren Ehen, intime Beziehungen und dynastische Interessen eng mit Macht verbunden. Philipp hatte laut der überlieferten Aufstellung mindestens sieben offizielle Ehefrauen. Jede Verbindung sollte politische Bündnisse sichern. Alexanders Mutter Olympias stammte aus Epirus und nahm als Mutter des Thronfolgers eine zentrale Stellung ein.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch Alexanders eigene Ehen hatten eine politische Funktion. 327 v. Chr. heiratete er Roxane, die Tochter des baktrischen Herrschers Oxyartes. Antike Erzählungen beschrieben die Verbindung als Liebesheirat. Zugleich half sie, lokale Eliten in Baktrien und Sogdien an Alexanders Herrschaft zu binden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Bei den Hochzeiten von Susa im Jahr 324 v. Chr. heiratete Alexander Stateira, eine Tochter von Dareios III., und Parysatis, eine Tochter von Artaxerxes III. Zugleich wurden zahlreiche makedonische Offiziere mit Frauen aus persischen Adelsfamilien verheiratet. Mehr als 10.000 bereits bestehende Verbindungen makedonischer Soldaten mit Frauen asiatischer Herkunft wurden anerkannt. Nach Alexanders Tod lösten fast alle führenden Offiziere ihre Ehen wieder. Seleuk und Apama bildeten die im Ausgangstext genannte Ausnahme.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Hephaistion und Bagoas im Spiegel der Überlieferung</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5828,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/sexualitaet-alexanders-des-grossen-quellen-inline-3-scaled.webp" alt="Alexander der Große mit einem engen männlichen Gefährten in einer historischen Hofszene" class="wp-image-5828" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Hephaistion war Alexanders engster Gefährte und bekleidete hohe militärische sowie administrative Ämter. Beide waren ungefähr gleich alt und kannten einander seit ihrer Jugend. Ihre Beziehung entsprach daher nicht dem üblichen Modell zwischen einem älteren Mann und einem jüngeren Schützling.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Antike Autoren bezeichneten ihre Bindung meist als <em>philia</em>, also Freundschaft. Zugleich stellten Alexander und Hephaistion eine Verbindung zu Achilles und Patroklos her. Bei ihrem Besuch in Troja soll Alexander den Ort des Achilles geehrt haben, während Hephaistion Patroklos würdigte. In der klassischen griechischen Literatur konnte dieses Paar auch romantisch und sexuell interpretiert werden. Ob Alexander und Hephaistion eine körperliche Beziehung führten, bleibt mangels ausdrücklicher zeitgenössischer Belege offen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Bagoas war ein persischer Eunuch und Tänzer, der Alexander nach dem Tod von Dareios III. übergeben wurde. Plutarch berichtet von einem öffentlichen Kuss nach einem Tanzwettbewerb in Karmanien. Curtius Rufus und Athenaios deuteten Alexanders Nähe zu Bagoas als Zeichen nachlassender Selbstkontrolle. Diese moralische Bewertung verrät ebenso viel über die Autoren und ihre Gesellschaften wie über Alexander selbst.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Pothos, Arete und Alexanders Selbstbild</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Arrian verwendete den Begriff <em>pothos</em>, um Alexanders Drang nach dem Entfernten und scheinbar Unerreichbaren zu beschreiben. Dieser Antrieb sollte erklären, warum er militärisch riskante Unternehmungen verfolgte, etwa den Marsch zum Orakel von Siwa oder den weiteren Vorstoß in Indien.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Begriff <em>arete</em> bezeichnete Exzellenz und den Willen, andere zu übertreffen. Alexander orientierte sich an Herakles und Achilles und wollte zugleich die Leistungen seines Vaters überragen. Der Ausgangstext verbindet diese Maßlosigkeit mit seinen politischen Entscheidungen, seiner Trauer und seinen besonders intensiven Beziehungen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Trauer um Hephaistion und politischer Kult</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Hephaistion starb 324 v. Chr. in Ekbatana nach einer Erkrankung. Die späteren Berichte schildern Alexanders Reaktion als außergewöhnlich heftig. Er ließ Trauerrituale anordnen, hielt Hephaistions Namen in der von ihm geführten Reitereinheit fest und plante eine aufwendige Bestattung in Babylon.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Alexander ersuchte außerdem das Orakel von Siwa um eine religiöse Aufwertung des Verstorbenen. Hephaistion wurde nicht als Gott anerkannt, durfte aber als göttlicher Heros verehrt werden. Diese Ehrung verband persönliche Trauer mit Herrschaftspolitik und stärkte zugleich Alexanders eigenen Anspruch auf eine Stellung über gewöhnlichen Menschen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Wie spätere Epochen Alexander neu deuteten</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Interpretation von Alexanders Beziehungen veränderte sich mit den gesellschaftlichen Normen der Forschenden. W. W. Tarn wies im 20. Jahrhundert homosexuelle Deutungen zurück. Spätere Historiker wie Paul Cartledge, Daniel Ogden und Robin Lane Fox behandelten die Beziehungen zu Hephaistion und Bagoas offener, warnten jedoch vor einer bloßen Übertragung moderner Kategorien.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Mary Renault rückte Bagoas 1972 im Roman <em>„The Persian Boy“</em> ins Zentrum. Oliver Stones Film <em>Alexander</em> aus dem Jahr 2004 zeigte Alexanders emotionale Anziehung zu Männern ebenfalls deutlich. Solche Werke beeinflussten die öffentliche Wahrnehmung, ersetzen jedoch keine kritische Prüfung der antiken Überlieferung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie Paragraf 175 private Nähe zum Beweismittel machte</title>
		<link>https://iks.haus/verfolgung-durch-paragraf-175-gestapo-private-naehe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 14:20:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Gestapo]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Paragraf 175]]></category>
		<category><![CDATA[Queere Verfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Rosa Listen]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn ein Brief zur Gefahr wurde]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5817,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/verfolgung-durch-paragraf-175-gestapo-private-naehe-landscape-scaled.webp" alt="Ein persönlicher Brief und eine Akte verweisen auf die staatliche Verfolgung privater Beziehungen." class="wp-image-5817" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die <strong>Verfolgung durch Paragraf 175</strong> machte im Nationalsozialismus Briefe, Gesten und persönliche Kontakte zu möglichen Beweismitteln. Die Verschärfung des Gesetzes im Jahr 1935 gab Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten mehr Spielraum, körperliche Nähe als sexuell motiviert zu deuten.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Folgen reichten weit über Urteile hinaus. Ermittlungen griffen in Freundschaften, Wohnungen, Arbeitsplätze und Familien ein. Denunziationen, beschlagnahmte Adressbücher und unter Druck gemachte Aussagen konnten weitere Verfahren auslösen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Verfolgung durch Paragraf 175 und die Macht der Absicht</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5818,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/verfolgung-durch-paragraf-175-gestapo-private-naehe-inline-1-scaled.webp" alt="Gerichtliche Prüfung eines Briefes während der Verfolgung durch Paragraf 175." class="wp-image-5818" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Paragraf 175 stammte aus dem Deutschen Kaiserreich und kriminalisierte sexuelle Handlungen zwischen Männern. Er blieb auch während der Weimarer Republik bestehen, obwohl eine organisierte Reformbewegung seine Abschaffung verlangte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden Lokale geschlossen, Zeitschriften verboten und Organisationen aufgelöst. Die Verschärfung von 1935 erweiterte danach den Handlungsspielraum der Behörden erheblich. Für eine Verurteilung musste nicht mehr derselbe konkrete sexuelle Akt wie zuvor nachgewiesen werden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Gerichte konnten aus Berührungen, Gesten und Aussagen auf eine sexuelle Absicht schließen. Ein Brief konnte als Geständnis gelesen werden, eine Übernachtung Verdacht wecken. Dadurch gerieten nicht nur Handlungen, sondern auch Sprache, Kleidung und persönliche Beziehungen in den Blick der Ermittler.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Adressbücher, Denunziationen und Rosa Listen</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5819,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/verfolgung-durch-paragraf-175-gestapo-private-naehe-inline-2-scaled.webp" alt="Beschlagnahmte Briefe und Adressbücher in einem historischen Aktenraum." class="wp-image-5819" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Polizei und Gestapo suchten nicht nur nach einzelnen Beschuldigten, sondern nach ihren Verbindungen. Bei Razzien und Verhaftungen wurden Briefe, Fotografien und Adressbücher beschlagnahmt. In Verhören verlangten Beamte weitere Namen. Eine Aussage konnte so eine Kette neuer Ermittlungen auslösen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Polizeibehörden hatten bereits vor der nationalsozialistischen Zeit Informationen über Männer gesammelt, denen homosexuelle Kontakte zugeschrieben wurden. Das Regime zentralisierte und nutzte diese Daten zunehmend systematisch. Die später häufig als Rosa Listen bezeichneten Karteien konnten Gerüchte, frühere Verfahren und soziale Kontakte erneut aktivieren.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch Menschen aus dem persönlichen Umfeld konnten Anzeigen erstatten. Als Motive nennt der Ausgangstext ideologische Überzeugung, Rache, Eifersucht und persönlichen Vorteil. Selbst ein Freispruch oder ein eingestelltes Verfahren konnte Schäden an Arbeit, Wohnung und familiären Beziehungen nicht vollständig rückgängig machen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Gerichte, Haft und Eingriffe in den Körper</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5820,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/verfolgung-durch-paragraf-175-gestapo-private-naehe-inline-3-scaled.webp" alt="Ein entlassener Mann bleibt in einem historischen Behördengebäude unter Beobachtung." class="wp-image-5820" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Verfolgung war nicht allein ein geheimes Vorgehen der Gestapo. Reguläre Gerichte urteilten auf Grundlage des verschärften Gesetzes. Richter und Staatsanwälte übertrugen nationalsozialistische Moralvorstellungen in juristische Entscheidungen und gaben der Gewalt damit den Anschein eines geordneten Verfahrens.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Viele Verurteilte kamen zunächst in Gefängnisse oder Zuchthäuser. Eine Verurteilung führte nicht automatisch in ein Konzentrationslager. Für manche Männer endete die Verfolgung jedoch nicht mit der verbüßten Strafe. Polizei und Gestapo konnten sie weiterhin überwachen, erneut festnehmen oder in sogenannte Schutzhaft bringen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Manche Männer wurden zudem unter Druck gesetzt, einer Kastration zuzustimmen. Andere waren medizinischen Maßnahmen oder psychiatrischen Begutachtungen ausgesetzt. Der Bericht von Friedrich Paul von Groszheim zeigt, weshalb von Zustimmung keine freie Wahl sein kann, wenn eine Entscheidung unter der Drohung weiterer Gewalt getroffen wird.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Die Akte überlebte den Augenblick</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Paragraf 175 verwandelte persönliche Spuren in staatliches Material. Briefe wurden als Beweismittel abgelegt, Namen aus Adressbüchern wanderten in Karteien. Unter Angst gemachte Aussagen konnten Jahre später erneut gegen einen Menschen verwendet werden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Akten blieben damit über ein einzelnes Verfahren hinaus wirksam. Eine verbüßte Strafe bedeutete nicht zwingend Freiheit, solange Behörden frühere Ermittlungen jederzeit wieder aufgreifen konnten.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Robert Odemans Leben unter Beobachtung</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Robert T. Odeman hatte als Pianist auf europäischen Bühnen gespielt, bevor eine Verletzung seine Konzertkarriere beendete. Später arbeitete er als Autor und Kabarettist und eröffnete in Hamburg ein eigenes Lokal. Nach dessen Schließung durch die Nationalsozialisten zog er nach Berlin und begann dort eine Beziehung mit einem Mann.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Sein Partner wurde unter Druck gesetzt, ihn bei der Gestapo zu denunzieren. Odeman wurde verhaftet und verurteilt. Auch nach seiner Entlassung blieb er unter Beobachtung. Seine Briefe waren nun Teil eines staatlichen Verfahrens, das persönliche Nähe als Verdacht deutete.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Historische Akten aus Sicht der Verfolger</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die erhaltenen Akten sind wichtige historische Quellen. Zugleich verwenden sie die Sprache der Polizei, der Medizin und der Justiz. Sie reduzieren Menschen häufig auf eine angebliche Straftat und geben vor allem die Perspektive der verfolgenden Institutionen wieder.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Robert Odeman war nicht nur Gegenstand einer Akte. Er war Musiker, Autor und Partner. Die besondere Gewalt des Gesetzes bestand auch darin, einen Teil seines Lebens zur dauerhaften staatlichen Identität zu erklären.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie Ernst Röhms Homosexualität zur politischen Waffe wurde</title>
		<link>https://iks.haus/ernst-roehms-homosexualitaet-politische-waffe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 11:19:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Röhm]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Nacht der langen Messer]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sturmabteilung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://iks.haus/?p=5814</guid>

					<description><![CDATA[Hitlers Verbündeter wurde zum Feind]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5809,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/ernst-roehms-homosexualitaet-politische-waffe-landscape-scaled.webp" alt="Ernst Röhm vor Mitgliedern der nationalsozialistischen Sturmabteilung" class="wp-image-5809" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p><strong>Ernst Röhms Homosexualität</strong> war in der nationalsozialistischen Parteiführung bekannt. Hitler hielt dennoch an ihm fest, solange die Sturmabteilung für Gewalt, Einschüchterung und Machteroberung gebraucht wurde.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Als Röhm zum politischen Hindernis wurde, ließ Hitler ihn ermorden. Danach nutzte das Regime seine Sexualität, um die politische Säuberung moralisch zu rechtfertigen. Daraus entstand der langlebige Mythos von homosexuell geprägten nationalsozialistischen Organisationen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Ein Täter im nationalsozialistischen Machtapparat</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5810,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/ernst-roehms-homosexualitaet-politische-waffe-inline-1-scaled.webp" alt="Ernst Röhms Homosexualität im Kontext seiner Führung der SA" class="wp-image-5810" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Röhm war Berufssoldat, Nationalist und früherer Anhänger Hitlers. Er betrachtete Gewalt als politisches Mittel und verstand die SA als revolutionäre Kampforganisation. Unter seiner Führung wuchs sie zu einer gewalttätigen Massenorganisation heran, die politische Gegner angriff und zur Zerstörung der Weimarer Demokratie beitrug.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Röhm bezeichnete sich mit einem damaligen Ausdruck als gleichgeschlechtlich. Seine Haltung war jedoch nicht Teil einer demokratischen Bewegung für persönliche Freiheit oder gleiche Rechte. Sein Verständnis von Kameradschaft war von Kriegserfahrung, Hierarchie und aggressiver Männlichkeit geprägt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Seine Biografie ist deshalb keine Geschichte queerer Emanzipation. Seine Homosexualität mindert weder seine Verantwortung für politische Gewalt noch sagt sie etwas über die politische Haltung anderer homosexueller Menschen aus.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Ernst Röhms Homosexualität war Hitler bekannt</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5811,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/ernst-roehms-homosexualitaet-politische-waffe-inline-2-scaled.webp" alt="Ernst Röhm bei einer angespannten Besprechung mit nationalsozialistischen Funktionären" class="wp-image-5811" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Röhms Privatleben war in Parteikreisen kein verborgenes Geheimnis. Nachdem persönliche Briefe bekannt geworden waren, machten linke Zeitungen seine Sexualität öffentlich. Gegner der NSDAP verwiesen auf den Widerspruch zwischen der Haltung der Partei gegenüber homosexueller Emanzipation und Röhms Stellung im Machtapparat.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Hitler verteidigte Röhm, solange dieser für seine politischen Ziele nützlich war. Diese zeitweilige Duldung war keine Anerkennung homosexueller Menschen. Andere Männer konnten daraus keinen Schutz ableiten.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die unterschiedliche Behandlung entsprach der Machtlogik des Regimes. Röhm blieb geschützt, solange die SA für Straßenkampf, Einschüchterung und Machteroberung gebraucht wurde. Mit den veränderten Machtverhältnissen endete dieser Schutz.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Warum die SA zum politischen Problem wurde</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5812,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/ernst-roehms-homosexualitaet-politische-waffe-inline-3-scaled.webp" alt="Mitglieder der SA während eines politischen Machtkampfs im Jahr 1934" class="wp-image-5812" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nach der Machtübernahme erwarteten viele SA-Mitglieder einen weiteren Machtzuwachs. Röhm wollte die bestehende Armee in eine neue, von der SA dominierte Streitmacht umwandeln. Damit bedrohte er die militärische Führung, konservative Eliten sowie andere Teile des nationalsozialistischen Apparats.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Hitler brauchte die Unterstützung der professionellen Armee für seine weiteren Pläne. Zugleich fürchteten politische Rivalen die Macht Röhms und die Unruhe innerhalb der SA. Die Führung der SS und andere Gegner verbreiteten Gerüchte über einen bevorstehenden Umsturz.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Röhms Homosexualität war nicht die Ursache dieses Konflikts. Sie war lange bekannt und hatte seine Karriere nicht verhindert. Erst nach der Entscheidung über seine Beseitigung wurde sie zum propagandistischen Beweismaterial.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Der politische Mord brauchte eine Rechtfertigung</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Sommer 1934 ließ Hitler die Führung der SA festnehmen und ermorden. Auch weitere politische Gegner und frühere Verbündete wurden getötet. Die organisierte politische Säuberung schaltete Rivalen aus und sicherte Hitler die Unterstützung der Armee.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Regime stellte die Morde als Reaktion auf eine angebliche akute Verschwörung dar. Röhms Sexualität bot eine emotional aufgeladene Rechtfertigung. Die Propaganda verband den behaupteten Umsturz mit sexueller Ausschweifung, moralischer Korruption und Verrat.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Damit wurde Homosexualität nachträglich zum Zeichen politischer Unzuverlässigkeit erklärt. Aus einem Machtkampf machte die Propaganda eine angebliche moralische Reinigung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Die SA war keine homosexuelle Organisation</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Existenz homosexueller Männer in der SA ist historisch belegt. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Organisation durch eine gemeinsame sexuelle Identität geprägt war. Die SA war eine nationalsozialistische Gewaltorganisation mit großer und sozial heterogener Mitgliedschaft.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Bilder von Kameradschaft, Körperkraft und männlicher Loyalität gehörten zu vielen militärischen und paramilitärischen Kulturen. Sie sind nicht mit homosexuellen Beziehungen oder politischer Solidarität mit homosexuellen Menschen gleichzusetzen. Ein aggressiver Männlichkeitskult kann zugleich mit ausgeprägter Homophobie verbunden sein.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Mythos vom homosexuellen Nationalsozialismus verwandelte einzelne Biografien in eine Verschwörungserzählung über geheime männliche Machtzirkel.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">SS und Gestapo wurden zu Organen der Verfolgung</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nach Röhms Tod gewann die SS unter Heinrich Himmler weiter an Macht. In ihrer rassistischen und bevölkerungspolitischen Ideologie galten homosexuelle Männer als Bedrohung, weil sie angeblich keine Kinder für die angestrebte Volksgemeinschaft hervorbringen und geheime Loyalitäten pflegen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>SS, Kriminalpolizei und Gestapo wurden zu zentralen Organen der Überwachung und Verfolgung. Sie sammelten Informationen, organisierten Razzien, führten Verhöre und brachten Männer nach Gefängnisstrafen in Konzentrationslager. Auch Angehörige der SS und der Polizei waren bei entsprechenden Beschuldigungen nicht geschützt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Behauptung, diese Institutionen seien homosexuell gewesen, verdeckt ihre historische Verantwortung als Werkzeuge eines Staates, der gleichgeschlechtliches Begehren kriminalisierte und gewaltsam bekämpfte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Warum der Mythos bis heute wirkt</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ein homosexueller Mann an der Spitze einer nationalsozialistischen Gewaltorganisation erscheint als auffälliger Widerspruch. Daraus lässt sich eine einfache Geschichte formen. Die historischen Zusammenhänge sind komplexer: Röhm war Täter, seine Sexualität wurde politisch instrumentalisiert und andere homosexuelle Menschen wurden vom Regime verfolgt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Der Mythos verschiebt Verantwortung. Wird der Nationalsozialismus als Ausdruck einer angeblich homosexuellen Männerkultur gedeutet, gerät die staatliche Homophobie aus dem Blick.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Röhms Geschichte handelt nicht von einer verborgenen Wahrheit über Homosexualität, sondern von Macht. Hitler duldete, was ihm nützte, und verurteilte dasselbe, sobald es zur Rechtfertigung politischer Gewalt dienen konnte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Institut, das seiner Zeit weit voraus war</title>
		<link>https://iks.haus/magnus-hirschfelds-institut-berlin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 13:21:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Bücherverbrennung]]></category>
		<category><![CDATA[Institut für Sexualwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Magnus Hirschfeld]]></category>
		<category><![CDATA[queere Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Haus für Wissen und Schutz]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5764,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/magnus-hirschfelds-institut-berlin-landscape-scaled.webp" alt="Magnus Hirschfelds Institut als Ort für Forschung, Beratung und Schutz" class="wp-image-5764" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p><strong>Magnus Hirschfelds Institut</strong> verband ab 1919 Forschung, medizinische Behandlung, Sexualberatung, Bildung und politische Arbeit. Menschen konnten dort Fragen aussprechen, für die es andernorts kaum Raum gab.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Mai 1933 plünderten nationalsozialistische Studenten und SA Angehörige das Berliner Institut. Bücher, Akten, Bilder und Objekte wurden fortgetragen. Ein Teil davon verbrannte wenige Tage später auf dem Opernplatz. Hirschfeld erlebte die Zerstörung aus dem Ausland und sah später in einem Pariser Kino, wie auch seine Büste ins Feuer geworfen wurde.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Magnus Hirschfelds Institut verband Wissen und Hilfe</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5765,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/magnus-hirschfelds-institut-berlin-inline-1-scaled.webp" alt="Magnus Hirschfelds Institut mit Beratung und Forschung in Berlin" class="wp-image-5765" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Magnus Hirschfeld war Arzt, Sexualforscher, politischer Aktivist und eine bekannte Stimme der frühen homosexuellen Emanzipationsbewegung. Als jüdischer, sozialdemokratisch orientierter und pazifistischer Intellektueller wurde er früh zum Ziel antisemitischer und homophober Angriffe.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Seine Arbeit ging von den Erfahrungen jener Menschen aus, die unter gesellschaftlicher Verachtung, Strafandrohung und familiärem Druck lebten. Hirschfeld widersprach der Vorstellung, gleichgeschlechtliches Begehren sei eine moralische Entscheidung, die mit Strafe oder Scham korrigiert werden müsse. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt verstand er als Teil der menschlichen Natur.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das 1919 eröffnete Institut war keine gewöhnliche akademische Einrichtung. Es sammelte Bücher, Fotografien, medizinische Berichte und kulturelle Zeugnisse, veranstaltete Vorträge und bildete Fachleute aus. Zugleich bot es Beratung und Behandlung für Menschen mit wenig Geld an. Manche Begriffe und Klassifikationen aus dieser Zeit gelten heute als überholt. Entscheidend war jedoch der Versuch, Vielfalt zu verstehen, statt sie auszulöschen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Klinik, Archiv und zeitweiliges Zuhause</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5766,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/magnus-hirschfelds-institut-berlin-inline-2-scaled.webp" alt="Wohnraum und Archiv im Berliner Institut für Sexualwissenschaft" class="wp-image-5766" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Hirschfeld wohnte selbst im Institut. Auch sein Partner Karl Giese arbeitete dort und betreute die Bibliothek und Archiv. Forschung, privates Leben und politisches Engagement waren in diesem Haus eng miteinander verbunden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Für einige Patientinnen und Patienten wurde das Institut zeitweise ebenfalls zu einem Zuhause. Wer eine Behandlung nicht bezahlen konnte, konnte dort mitarbeiten. Menschen, die aus Familien, Berufen oder Wohnungen gedrängt worden waren, fanden vorübergehend einen Ort, an dem ihre Existenz nicht grundsätzlich bestritten wurde.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Institut beriet zudem Menschen, die damals als Transvestiten oder als sexuelle Zwischenstufen beschrieben wurden. Diese historischen Kategorien entsprechen nicht vollständig den heutigen Begriffen für trans-, intergeschlechtliche oder nichtbinäre Menschen. Das Institut unterstützte Dokumente und medizinische Bescheinigungen, die ein Leben in selbstgewählter Kleidung erleichtern konnten. Ärztinnen und Ärzte begleiteten auch frühe geschlechtsangleichende Behandlungen. Nicht jede damalige Theorie oder Behandlung entspricht den heutigen ethischen Maßstäben.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Der Angriff auf das Institut im Mai 1933</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5767,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/magnus-hirschfelds-institut-berlin-inline-3-scaled.webp" alt="Plünderung von Magnus Hirschfelds Institut im Mai 1933" class="wp-image-5767" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Mai 1933 marschierten nationalsozialistische Studenten zum Institut. Unterstützt von SA-Angehörigen drangen sie in das Gebäude ein, plünderten die Räume und trugen Bücher, Akten, Bilder und Objekte hinaus. Der Angriff wurde angekündigt, fotografiert und öffentlich als politische Aktion inszeniert.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Wenige Tage später verbrannte ein Teil des geraubten Materials auf dem Berliner Opernplatz. Hirschfelds Schriften lagen dort neben Werken anderer jüdischer, pazifistischer, linker und regimekritischer Autorinnen und Autoren.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Besonders schwer wog der Verlust medizinischer und biografischer Unterlagen. Darin waren intime Lebensgeschichten dokumentiert, die unter vertrauensvollen Bedingungen gesammelt worden waren. Nun gelangten Teile davon in die Hände eines Regimes, das genau diese Menschen verfolgen wollte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Politische Arbeit gegen Paragraf 175</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Institut stand in engem Kontakt mit der Bewegung gegen Paragraf 175. Hirschfeld hatte bereits vor der Gründung an einer Organisation mitgewirkt, die sich für die Abschaffung des Gesetzes einsetzte. Forschung sollte belegen, dass der Staat intime Beziehungen zwischen erwachsenen Männern nicht bestrafen durfte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Für seine Gegner verkörperte Hirschfeld eine gesellschaftliche Veränderung. Er war jüdisch, international vernetzt und sprach öffentlich über Sexualität. Der Angriff auf das Institut richtete sich damit zugleich gegen jüdisches Wissen, sexuelle Reform, demokratische Öffentlichkeit und queere Selbstorganisation.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Ein Lebenswerk im Exil</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Hirschfeld kehrte nach der Zerstörung nicht mehr nach Deutschland zurück. Im Exil versuchte er, seine Arbeit fortzusetzen. Das Netzwerk aus Mitarbeitenden, Patientinnen und Patienten, Aktivisten und Sammlungen ließ sich jedoch nicht an einem anderen Ort neu bilden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Hirschfeld starb wenige Jahre später in Frankreich. Karl Giese rettete Teile seines persönlichen Nachlasses, doch ein großer Teil der Bibliothek und des Archivs blieb verloren. Einzelne Bücher tauchten Jahrzehnte später wieder auf. Stempel, Widmungen und handschriftliche Vermerke wiesen auf ihre Herkunft hin.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Warum der Verlust bis heute nachwirkt</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Mit der Zerstörung des Instituts brachen Forschungslinien ab, biografische Zeugnisse verschwanden und queere Menschen verloren eine Einrichtung, die medizinische Hilfe mit politischer Anerkennung verbunden hatte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nach dem Krieg entstand kein gleichwertiger Wiederaufbau. Viele Menschen, für die Hirschfeld gekämpft hatte, blieben kriminalisiert oder gesellschaftlich geächtet. Die Bedeutung des Instituts liegt deshalb nicht nur in seiner Sammlung. Sie liegt auch in den Menschen, die dort behandelt, geschützt und ernst genommen wurden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Als Berlin für einen Moment queere Freiheit versprach</title>
		<link>https://iks.haus/queeres-weimarer-berlin-freiheit-jahre/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 10:23:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Eldorado]]></category>
		<category><![CDATA[Lesbische Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Paragraf 175]]></category>
		<category><![CDATA[Queeres Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Weimarer Republik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://iks.haus/?p=5761</guid>

					<description><![CDATA[Nächte zwischen Freiheit und Gefahr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5756,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/queeres-weimarer-berlin-freiheit-jahre-landscape-scaled.webp" alt="Queeres Weimarer Berlin in einem Tanzlokal um 1930" class="wp-image-5756" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p><strong>Queeres Weimarer Berlin</strong> steht für Clubs, Magazine und eine neue Öffentlichkeit. Männer, die Männer liebten, Frauen in Beziehungen mit Frauen und Menschen jenseits der erwarteten Geschlechterrollen fanden Orte für Begegnung und Gemeinschaft.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Diese Räume bedeuteten keine vollständige Freiheit. Während das Nachtleben sichtbar wurde, blieb Paragraf 175 bestehen. Kulturelle Offenheit, gesellschaftliche Stigmatisierung und staatliche Bedrohung existierten gleichzeitig.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Queeres Weimarer Berlin zwischen Aufbruch und Gefahr</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5757,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/queeres-weimarer-berlin-freiheit-jahre-inline-1-scaled.webp" alt="Queeres Weimarer Berlin vor einem Tanzlokal um 1930" class="wp-image-5757" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich Berlin in einem politischen und gesellschaftlichen Umbruch. Die Großstadt bot nicht nur Anonymität, sondern erleichterte auch die Bildung von Gemeinschaften. Queere Menschen fanden einander über Lokale, Vereine, Freundschaftsbünde, Zeitschriften und persönliche Anzeigen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das Eldorado wurde zum bekanntesten Symbol dieser widersprüchlichen Freiheit. Travestiekunst und gendernonkonforme Auftritte trafen dort auf ein Publikum aus queeren Stammgästen sowie aus Theater, Film, Politik und dem internationalen Gesellschaftsleben. Reiseführer und Postkarten machten das Lokal weit über die Szene hinaus bekannt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Sichtbarkeit brachte zugleich Risiken. Polizei, Presse und politische Gegner wussten, wo sich Menschen trafen. Was zeitweise als Teil des Nachtlebens geduldet wurde, konnte bei einem politischen Kurswechsel zur Gefahr werden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Eigene Räume, Magazine und Netzwerke</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5758,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/queeres-weimarer-berlin-freiheit-jahre-inline-2-scaled.webp" alt="Queere Menschen lesen Magazine in einem Berliner Café um 1930" class="wp-image-5758" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das queere Berlin bestand aus eleganten Tanzsälen, kleinen Kneipen, Vereinslokalen, Cafés und weiteren Treffpunkten. Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen schufen viele kleine Öffentlichkeiten, die sich überschnitten und teilweise miteinander konkurrierten.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ein Lokal konnte weit mehr als nur Unterhaltung bieten. Dort wurden Kontakte geknüpft, Unterkünfte vermittelt, Veranstaltungen angekündigt und politische Kampagnen besprochen. Gemeinschaft entstand an Tischen, auf Tanzflächen und in nächtlichen Gesprächen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch Zeitschriften verbanden Menschen. Publikationen für homosexuelle Männer, lesbische Frauen und Menschen, die die damaligen Begriffe für geschlechtliche Vielfalt verwendeten, enthielten politische Texte, Literatur, Veranstaltungshinweise und Kontaktanzeigen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Paragraf 175 und das Ende der Spielräume</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5759,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/queeres-weimarer-berlin-freiheit-jahre-inline-3-scaled.webp" alt="Geschlossenes Berliner Lokal zu Beginn der 1930er Jahre" class="wp-image-5759" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Paragraf 175 kriminalisierte weiterhin sexuelle Handlungen zwischen Männern. In Berlin wurde das Gesetz in manchen Phasen der deutschen Geschichte weniger aggressiv durchgesetzt als in anderen. Aus dem Leben homosexueller Männer verschwand es jedoch nie.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Eine Anzeige, ein Streit, ein abgefangener Brief oder die Aussage eines Bekannten konnte private Beziehungen zum Gegenstand staatlicher Ermittlungen machen. Auch ohne Verurteilung konnte bereits ein Verdacht Arbeit oder familiäre Beziehungen gefährden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Schon vor 1933 verschärfte sich das politische Klima. Behörden gingen gegen Tanzveranstaltungen und Lokale vor. Das Eldorado geriet unter Druck und musste schließen. Nach 1933 wurden Lokale geschlossen, Zeitschriften verboten, Organisationen aufgelöst und Archive geplündert. Viele Menschen vernichteten Briefe und Fotografien, zogen sich zurück oder flohen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Frauen schufen eine eigene Öffentlichkeit</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Lesbische Frauen organisierten Clubs, Bälle, Lesungen und Netzwerke. Die Zeitschrift <em>Die Freundin</em> machte Beziehungen zwischen Frauen sichtbar und bot Raum für Debatten über Selbstständigkeit, Liebe und gesellschaftliche Erwartungen. Lotte Hahm verband Unterhaltung mit politischer und sozialer Arbeit.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Diese Sichtbarkeit blieb umkämpft. Beziehungen zwischen Frauen konnten zeitweise unter dem Radar staatlicher Verfolgung bleiben, weil weibliche Sexualität unterschätzt oder verleugnet wurde. Dieselbe Unsichtbarkeit erschwerte jedoch die Anerkennung und den Schutz. Claire Waldoff verkörperte mit ihrem Auftreten und ihrem gemeinsamen Leben mit einer Frau eine selbstbewusste Berliner Modernität.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Der Alltag jenseits der Bühne</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das meiste queere Leben fand nicht im Scheinwerferlicht statt. Es bestand aus Freundschaften, Briefen, gemeinsam gemieteten Wohnungen, gewählten Familien und vorsichtigen Begegnungen. Manche Menschen lebten in bestimmten Kreisen offen, in anderen verborgen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Nicht alle konnten bekannte Lokale besuchen oder sich dort sicher fühlen. Soziale Stellung, Geschlecht und Herkunft beeinflussten, wer sichtbar werden konnte. Auch die verwendeten Begriffe unterschieden sich von den heutigen Identitäten. Wissenschaftliche Neugier, persönliche Unterstützung und Pathologisierung standen dabei nebeneinander.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Was von der kurzen Freiheit blieb</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die Geschichte dieser Jahre ist nicht nur eine Vorgeschichte der Verfolgung. Queere Menschen waren Organisatorinnen, Autoren, Künstlerinnen, Liebende, Gäste, Nachbarn sowie politische Aktivistinnen und -aktivisten. Sie schufen eigene Räume, Medien und eine Sprache für ihre Erfahrungen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Viele Magazine und Biografien verschwanden oder wurden lange verschwiegen. Erhaltene Ausgaben, Fotografien, Polizeidokumente, Vereinsunterlagen und Erinnerungen zeigen dennoch die Vielfalt dieser Welt. Das Eldorado steht damit nicht nur für eine verlorene Nacht, sondern auch für den Versuch, Freiheit gemeinsam in den Alltag zu holen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum Herrscher Astrologie verboten und selbst nutzten</title>
		<link>https://iks.haus/politische-geschichte-der-astrologie-macht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Aug 2026 13:13:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Astrologiegeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Frühe Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Römisches Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Wissensgeschichte]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://iks.haus/?p=5745</guid>

					<description><![CDATA[Wissen, Macht und Sterne]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5740,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/politische-geschichte-der-astrologie-macht-landscape-scaled.webp" alt="Die politische Geschichte der Astrologie in einer Wiener Archivszene" class="wp-image-5740" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die <strong>politische Geschichte der Astrologie</strong> zeigt einen bemerkenswerten Widerspruch: Herrscher und kirchliche Autoritäten verboten öffentliche Prognosen, beschäftigten zugleich jedoch eigene Astrologen. In vormodernen Gesellschaften galt die Deutung des Himmels nicht bloß als Unterhaltung. Sie war mit Astronomie, Medizin, Naturphilosophie und Theologie verbunden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Aus österreichischer Perspektive ist eine Grenze wichtig: Die hier behandelten Beispiele führen nach Mesopotamien, Rom, Italien, England und Frankreich. Konkrete Fälle aus Wien oder aus Österreich enthält das zugrunde liegende Material nicht. Der historische Überblick ordnet daher ausschließlich die darin beschriebenen überregionalen Entwicklungen ein.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Politische Geschichte der Astrologie als Wissensgeschichte</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5741,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/politische-geschichte-der-astrologie-macht-inline-1-scaled.webp" alt="Die politische Geschichte der Astrologie beginnt mit Beobachtung, Berechnung und vormoderner Naturphilosophie" class="wp-image-5741" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Seit babylonische Himmelsbeobachter im dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung planetare Zyklen aufzeichneten, wurden Bewegungen am Himmel mit Ereignissen auf der Erde in Verbindung gebracht. Im hellenistischen Denken erhielt diese Praxis einen mathematischen und naturphilosophischen Rahmen. Konzepte wie Sympatheia, die Verbindung aller Teile des Kosmos, und Heimarmenê, die kosmische Bestimmung, sollten erklären, wie Himmelskörper auf die Welt einwirkten.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Sterne und Planeten galten in diesem Modell nicht nur als Symbole. Ihnen wurden Wirkungen auf das Wetter, Krankheiten, körperliche Säfte sowie die Stimmung größerer Gruppen zugeschrieben. Berechnungen von Konjunktionen erschienen deshalb als Teil der damaligen Naturerklärung. Astrologie und Astronomie waren unter dem Begriff <em>scientia stellarum</em>, der Wissenschaft der Sterne, eng miteinander verbunden.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch Johannes Kepler und Regiomontanus praktizierten Astrologie. Die Nachfrage nach Prognosen förderte zugleich genauere Berechnungen der Himmelsbewegungen. Für Herrscher versprach dieses Wissen Orientierung in einer Welt, die von Kriegen, Seuchen und ungeklärten Thronfolgen geprägt war.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Warum Rom und Kirche Prognosen begrenzten</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5742,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/politische-geschichte-der-astrologie-macht-inline-2-scaled.webp" alt="Römische Amtsträger kontrollieren eine astrologische Beratung mit politischer Bedeutung" class="wp-image-5742" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Römischen Reich richteten sich Verbote insbesondere gegen politisch brisante Vorhersagen. Augustus erließ im Jahr 11 Vorschriften, die private astrologische Beratungen ohne Zeugen einschränkten und die Prognosen über den Tod eines Menschen untersagten. Unter Tiberius galt die Erstellung eines Horoskops für den Kaiser oder seine Familie als ein möglicher Angriff auf die staatliche Ordnung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Eine Vorhersage des Todes des Kaisers konnte Nachfolgekämpfe, geheime Bündnisse und Unruhe auslösen. Das römische Recht verband daher solche Praktiken mit dem Verbrechen der Majestätsverletzung. Gleichzeitig beschäftigte Tiberius auf Capri den Astrologen Thrasyllus. Das Wissen wurde also nicht grundsätzlich verworfen, sondern politisch kontrolliert.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Das mittelalterliche Christentum setzte eine andere Grenze. Ein vollständiger astrologischer Determinismus widersprach der Lehre vom freien Willen, der moralischen Verantwortung und der göttlichen Vorsehung. Erlaubt blieb die sogenannte natürliche Astrologie für Wetter, Landwirtschaft, Navigation und Medizin. Die judizielle Astrologie, die individuelle Schicksale, Kriege oder den Tod von Herrschern vorhersagte, wurde hingegen verurteilt.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Astrologie als Werkzeug der Herrschaft</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:image {"id":5743,"sizeSlug":"full","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-full"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/politische-geschichte-der-astrologie-macht-inline-3-scaled.webp" alt="Ein Hofastrologe präsentiert einem Herrscher Berechnungen für politische Entscheidungen" class="wp-image-5743" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>An Höfen diente die Astrologie als Instrument für Entscheidungen unter unsicheren Bedingungen. Die elektionale Astrologie sollte den günstigsten Zeitpunkt für Krönungen, militärische Operationen, Friedensverträge oder die Grundsteinlegung großer Bauten bestimmen. Guido Bonatti war im 13. Jahrhundert italienischer Heerführer und Städtebauer. John Dee berechnete den Zeitpunkt der Krönung Elisabeths I. und war als wissenschaftlicher und politischer Berater tätig.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Auch mehrere Renaissancepäpste förderten die astrologische Praxis. Julius II. ließ für die Grundsteinlegung des neuen Petersdoms den 18. April 1506 um 10 Uhr als günstigen Zeitpunkt festlegen. Leo X. richtete an der römischen Universität La Sapienza einen Lehrstuhl für Astrologie ein. Paul III. konsultierte Luca Gaurico vor den Konsistorien und der Ernennung neuer Kardinäle.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Astrologische Karten konnten außerdem der Einschätzung von Rivalen und der Legitimation der eigenen Herrschaft dienen. Wer die Prognosen über die Gegner kontrollierte, verfügte aus damaliger Sicht über einen strategischen Vorteil. Öffentliche Verbote und private Nutzung bildeten deshalb keinen zufälligen Widerspruch, sondern ein Informationsmonopol.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Kirchliche Zensur und ihre Grenzen</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Die kirchliche Trennung zwischen natürlicher und judizieller Astrologie prägte die Zensur der frühen Neuzeit. Der unter Paul IV. Der 1559 veröffentlichte Index Librorum Prohibitorum&nbsp;untersagte Schriften über judizielle Astrologie und die Vorhersage unbestimmter künftiger Ereignisse. Werke zu Medizin, Landwirtschaft und Navigation blieben ausgenommen.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Sixtus V. verschärfte die Linie 1586 mit der Bulle <em>Coeli et terrae creator</em>. Sie verurteilte Formen der Divination und drohte politischen Horoskopen mit Sanktionen der Inquisition. Laut dem zugrunde liegenden Material wurde diese Zensur selektiv angewandt. Unabhängige Prognostiker, Almanache und politische Gegner waren stärker gefährdet als Fachleute im Umfeld kirchlicher Eliten.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Todesprognosen als politische Gefahr</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Besonders riskant waren Vorhersagen über den Tod eines Papstes oder eines Königs. In Herrschaftssystemen mit unsicherer Nachfolge konnten solche Meldungen politische Manöver, militärische Vorbereitungen und wirtschaftliche Zurückhaltung auslösen. Die Prognose wirkte damit unabhängig von ihrer tatsächlichen Genauigkeit.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Ein Beispiel ist der Fall Orazio Morandi. Der römische Abt berechnete 1630 Papst Urban VIII. werde innerhalb weniger Monate sterben. Die Nachricht verbreitete sich über diplomatische Kanäle, woraufhin sich die Kardinäle auf ein mögliches Konklave vorbereiteten. Morandi wurde festgenommen und starb unter ungeklärten Umständen in einem Gefängnis der Inquisition. Danach verschärfte Urban VIII. die Strafen für Horoskope über den Tod eines Papstes.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Einordnung für Österreich</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Für Leserinnen und Leser in Österreich macht diese Geschichte vor allem sichtbar, wie eng Wissen und politische Autorität miteinander verbunden sein können. Astrologie war in den beschriebenen Epochen zugleich Naturerklärung, Beratungspraxis, Propaganda und ein mögliches Mittel der Destabilisierung.</p>
<!-- /wp:paragraph -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Eine spezifische Geschichte der Astrologie in Wien oder in Österreich lässt sich aus dem vorliegenden Material jedoch nicht ableiten. Hier ist ausschließlich das überregionale Muster belegt: Eliten versuchten, Prognosen für sich zu nutzen und ihren öffentlichen Gebrauch zu begrenzen. Die entscheidende Frage lautete daher weniger darauf, ob Astrologie geglaubt wurde, als darauf, wer sie anwenden und verbreiten durfte.</p>
<!-- /wp:paragraph -->]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wir waren immer da: Queere Geschichte durch die Zeiten</title>
		<link>https://iks.haus/wir-waren-immer-da-queere-geschichte-durch-die-zeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[iks.haus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Aug 2026 16:23:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Lister]]></category>
		<category><![CDATA[Antike]]></category>
		<category><![CDATA[Entpathologisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Evelyn Hooker]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechtervielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[queere Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Two-Spirit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://iks.haus/?p=5603</guid>

					<description><![CDATA[Von der Antike bis ins 20. Jahrhundert]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<!-- wp:image {"id":5634,"sizeSlug":"large","linkDestination":"none"} -->
<figure class="wp-block-image size-large"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/queere-geschichte-junge-maenner-1890-16x9-1-1024x576.webp" alt="Zwei junge Männer posieren um 1890 eng nebeneinander in einem Wiener Fotostudio." class="wp-image-5634" /></figure>
<!-- /wp:image -->

<!-- wp:heading -->
<h2 class="wp-block-heading">Geschichte ohne falsche Etiketten</h2>
<!-- /wp:heading -->

<!-- wp:paragraph -->
<p>Gleichgeschlechtliches Begehren und geschlechtliche Vielfalt sind nicht erst mit modernen Begriffen entstanden. Neu sind vor allem die Kategorien, in die Menschen eingeordnet werden. Wörter wie „homosexuell“ oder „heterosexuell“ verbreiteten sich erst im 19. Jahrhundert. Wer weiter zurückblickt, findet daher keine fertige LGBTQIA+-Gemeinschaft im heutigen Sinn, wohl aber Beziehungen, Körper, Lebensweisen und soziale Rollen, die eine rein binäre Erzählung der Vergangenheit deutlich überschreiten.</p>
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<p>Genau hier verläuft eine zentrale Debatte der Geschichtsschreibung. Konstruktivistische Ansätze, stark geprägt von Michel Foucault, betonen, dass moderne sexuelle Identitäten durch Medizin, Psychiatrie, Recht und Verwaltung konstruiert wurden. Andere Forschende, darunter John Boswell, hoben die Kontinuität gleichgeschlechtlicher Bindungen hervor. Heute ist ein vorsichtiger Mittelweg produktiver: Begehren hat eine lange Geschichte, doch seine gesellschaftliche Bedeutung verändert sich mit jeder Epoche.</p>
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<p>Diese Unterscheidung ist keine akademische Nebensache. Wer eine Person aus dem Mittelalter vorschnell als schwul, lesbisch, trans oder nichtbinär bezeichnet, kann eine Biografie sichtbar machen, aber auch ihre kulturelle Eigenlogik überdecken. Diese Geschichte beginnt deshalb nicht mit der Suche nach modernen Etiketten. Sie beginnt mit der Frage, welche Möglichkeiten Menschen in ihrer Zeit hatten, um Nähe, Geschlecht, Begehren und Zugehörigkeit zu leben.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Spuren in Ägypten und Griechenland</h2>
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<p>Zu den meistdiskutierten Zeugnissen aus dem Alten Ägypten gehört die gemeinsame Mastaba von Niankhkhnum und Khnumhotep in Sakkara. Die beiden hohen Hofbeamten der 5. Dynastie erscheinen auf Reliefs in ungewöhnlich innigen Gesten. Sie stehen eng beieinander, umarmen sich und berühren ihre Nasen. Manche Forschende lesen diese Darstellung als Hinweis auf eine Liebesbeziehung. Andere halten die Männer für Brüder, möglicherweise sogar für Zwillinge. Eindeutig lässt sich die Frage anhand der erhaltenen Quellen nicht entscheiden.</p>
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<p>Gerade diese Unsicherheit macht die Grabstätte bedeutsam. Sie zeigt nicht, dass das Alte Ägypten homosexuelle Partnerschaften im modernen Sinn offiziell anerkannte. Sie zeigt jedoch, dass männliche Nähe in einer hochcodierten Bildsprache sichtbar wurde. Die Geschichte verlangt hier weder Verleugnung noch Gewissheit, sondern die Bereitschaft, mehrere Deutungen nebeneinander auszuhalten.</p>
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<p>Auch im klassischen Griechenland beschrieb Sexualität weniger eine feste Orientierung als vielmehr soziale Position, Alter und Rolle. Institutionalisierte Beziehungen zwischen einem älteren Erastes und einem jüngeren Eromenos konnten pädagogische, politische und sexuelle Elemente vereinen. Sie dürfen nicht als einfache Vorform heutiger schwuler Partnerschaften romantisiert werden, denn Altersunterschiede und Hierarchien waren zentral. Gleichzeitig belegen Philosophie, Dichtung und Kunst, dass das männliche Begehren gesellschaftlich lesbar war.</p>
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<p>Berühmt wurde die Heilige Schar von Theben, eine Eliteeinheit von 300 Männern, die in antiken Überlieferungen als 150 Liebespaare beschrieben wird. Sie trug 371 v. Chr. zum Sieg über Sparta bei Leuktra bei und wurde 338 v. Chr. bei Chaironeia von den Makedonen weitgehend vernichtet. Der Löwe von Chaironeia erinnert an ihr Grab. Auch hier gilt: Die Überlieferung ist kein modernes Coming-out, wohl aber ein starkes Zeugnis dafür, dass männliche Bindung als Quelle militärischer Loyalität verstanden werden konnte.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/1-junge-archaeologen-luxor-1924-16x9-1-1024x576.webp" alt="Zwei junge Archäologen stehen 1924 eng beieinander an einer Ausgrabung bei Luxor." class="wp-image-5635" /></figure>
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<h2 class="wp-block-heading">Mehr als zwei Geschlechter</h2>
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<p>Außerhalb Europas begegnen uns Gesellschaften, in denen Geschlecht nicht ausschließlich durch die westliche Zweiteilung zwischen Mann und Frau organisiert wird. Doch auch diese Traditionen sind keine austauschbaren Varianten eines einzigen „dritten Geschlechts“. Māhū in Hawaii und Tahiti, Fa’afafine in Samoa, Hijra in Südasien und zahlreiche stammes- oder nationsspezifische Rollen in Nordamerika haben jeweils eigene Geschichten, spirituelle Bedeutungen und soziale Aufgaben.</p>
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<p>Der Ausdruck Two-Spirit wurde 1990 bei einer indigenen Konferenz als moderner, intertribaler Sammelbegriff geprägt. Er kann für manche indigene Menschen geschlechtliche, sexuelle, gemeinschaftliche und spirituelle Dimensionen verbinden. Er ersetzt jedoch nicht die eigenen Begriffe einzelner Nationen und darf nicht rückwirkend auf jede indigene Person angewandt werden, die europäischen Beobachtern geschlechtlich uneindeutig erschien.</p>
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<p>Auch fa’afafine sind seit Jahrhunderten Teil samoanischer Gemeinschaften, ohne deshalb deckungsgleich mit einer westlichen Transidentität zu sein. Māhū bezeichnet wiederum in hawaiischen und tahitianischen Kontexten eine kulturell spezifische Position, die männliche und weibliche Aspekte verbindet. Solche Begriffe machen sichtbar, dass Kolonisierung nicht nur Land und politische Macht erfasste. Missionierung, Verwaltung und westliche Gesetze griffen auch in lokale Vorstellungen von Körper, Verwandtschaft und Geschlecht ein.</p>
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<p>Die korrekte Lehre aus diesen Geschichten lautet deshalb nicht, dass vormoderne Gesellschaften überall tolerant gewesen seien. Auch dort gab es Grenzen, Pflichten und Sanktionen. Entscheidend ist etwas anderes: Das binäre Geschlechtermodell war niemals die einzige menschliche Ordnung. Koloniale Systeme behandelten lokale Vielfalt häufig als Abweichung und versuchten, sie durch Religion, Schule, Medizin und Recht zu verdrängen.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Zwischen Kirche, Recht und Überleben</h2>
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<p>Im europäischen Mittelalter wurden sexuelle Handlungen zunehmend anhand christlicher Vorstellungen von Sünde, Fortpflanzung und Naturrecht beurteilt. Begriffe wie Homosexualität existierten nicht. Kirchliche und weltliche Texte sprachen stattdessen von Sodomie, vom „unaussprechlichen“ Vergehen oder von Handlungen gegen die Natur. Solche Kategorien erfassten sehr unterschiedliche Praktiken und sagten nur begrenzt darüber aus, wie Menschen sich selbst verstanden.</p>
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<p>Ein außergewöhnliches Dokument entstand 1394 in London. Das Verhörprotokoll nennt eine festgenommene Person „John Rykener, genannt Eleanor“. Rykener trug Frauenkleidung, arbeitete zeitweise als Stickerin und Schankkraft und berichtete von sexuellen Kontakten mit Männern und Frauen. Der Text erlaubt keine sichere moderne Diagnose der Geschlechtsidentität. Er zeigt jedoch, dass eine Person über längere Zeit verschiedene geschlechtliche Rollen bewohnen, arbeiten und soziale Netzwerke nutzen konnte, obwohl das Recht dafür kaum eine Sprache besaß.</p>
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<p>Der Fall ist gerade deshalb wichtig, weil er keine lückenlose Heldengeschichte liefert. Erhalten blieb nur die Stimme eines Gerichts, nicht Rykener selbst. Moderne Forschung muss daher zwischen Sichtbarkeit und Vereinnahmung unterscheiden. Das Archiv bewahrt Spuren eines Lebens, aber es gibt uns nicht das Recht, jede Lücke mit einer heutigen Kategorie zu füllen.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/2-junge-soldaten-wien-1945-16x9-1-1024x576.webp" alt="Zwei junge Soldaten teilen 1945 in einem beschädigten Wiener Hof einen stillen Moment." class="wp-image-5636" /></figure>
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<h2 class="wp-block-heading">Renaissance: sichtbar und unsichtbar</h2>
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<p>Die Renaissance brachte künstlerische Darstellungen voller homoerotischer Spannung hervor, während Gerichte und kirchliche Institutionen gleichgeschlechtliche Handlungen verfolgten. Besonders Beziehungen zwischen Frauen blieben juristisch und medizinisch oft unsichtbar, weil viele Autoritäten Sexualität ausschließlich als Penetration definierten. Unsichtbarkeit bedeutete daher nicht Freiheit. Sie konnte Schutz bieten, zugleich aber Erfahrung und Gewalt aus der historischen Überlieferung löschen.</p>
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<p>Der Fall Benedetta Carlini ist ungewöhnlich gut dokumentiert. Die toskanische Nonne und zeitweilige Äbtissin berichtete von Visionen, Stigmata und einer mystischen Verbindung zu Christus. Kirchliche Untersuchungen warfen ihr vor, Heiligkeit vorgetäuscht und eine sexuelle Beziehung mit Schwester Bartolomea Crivelli geführt zu haben. Ein späterer Bericht berichtet, dass Benedetta viele Jahre isoliert im Kloster lebte. Ihre Geschichte erreicht uns über die Akten einer Institution, die über Wahrheit, Körper und Strafe entschied.</p>
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<p>Eine andere Biografie hinterließ die Erauso, in der Überlieferung lange als Catalina de Erauso bekannt. Nach der Flucht aus einem baskischen Kloster lebte de Erauso unter männlichen Namen, diente als Soldat in den spanischen Kolonien und erhielt schließlich die Erlaubnis, weiterhin Männerkleidung zu tragen. Die Geschichte lässt sich als Flucht vor weiblichen Zwängen, als geschlechtliche Selbstbehauptung und zugleich als Beteiligung an kolonialer Gewalt lesen. Keine dieser Ebenen hebt die andere auf.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Das 19. Jahrhundert erfindet neue Wörter</h2>
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<p>Im 19. Im Laufe des Jahrhunderts verlagerte sich die Kontrolle über die Sexualität schrittweise von Kanzel und Gericht in die Klinik, Statistik und Psychiatrie. Das war keine einfache Befreiung. Gleichgeschlechtliches Begehren wurde nun als Merkmal eines bestimmten Menschentyps beschrieben und häufig pathologisiert. Gleichzeitig eröffnete die neue Sprache Möglichkeiten, Erfahrungen zu benennen, politische Forderungen zu formulieren und Gemeinschaften zu bilden.</p>
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<p>Anne Lister zeigt, dass Selbstwissen nicht auf einen offiziellen Begriff warten musste. Die englische Landbesitzerin führte von 1806 bis 1840 umfangreiche Tagebücher, deren intime Passagen sie in einem von ihr selbst entwickelten Code notierte. Darin beschrieb sie Beziehungen zu Frauen, Reisen, Geschäft und ihre eigene Natur mit bemerkenswerter Klarheit. Die Millionen Wörter umfassenden Tagebücher gehören heute zum britischen UNESCO-Register „Memory of the World“.</p>
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<p>Eine sprachgeschichtliche Zäsur setzte Karl Maria Kertbeny, ein in Wien geborener ungarischer Schriftsteller und Reformpublizist. In einem Brief von 1868 verwendete er die neu gebildeten Wörter „homosexuell“ und „heterosexuell“. Er wollte damit ältere abwertende Bezeichnungen ersetzen und argumentierte gegen staatliche Eingriffe in private, einvernehmliche Sexualität. Später übernahmen Sexologie und Psychiatrie diese Kategorien, oft mit einer pathologisierenden Bedeutung, die Kertbenys politischer Absicht widersprach.</p>
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<p>Auch die häufig wiederholte Behauptung, das Osmanische Reich habe Homosexualität 1858 schlicht „legalisiert“, bedarf einer Korrektur. Der neue Strafkodex erwähnte private gleichgeschlechtliche Intimität nicht ausdrücklich, sanktionierte jedoch öffentliche Unsittlichkeit. Forschende warnen deshalb davor, ein westliches Modell der Kriminalisierung und Entkriminalisierung auf die osmanische Rechtsgeschichte zu übertragen. Der Wandel war real, aber weder geradlinig noch eindeutig emanzipatorisch.</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img src="https://iks.haus/wp-content/uploads/2026/08/3-junge-queere-aktivistinnen-wien-1978-16x9-1-1024x576.webp" alt="Zwei junge Frauen gehen 1978 eng verbunden mit einer queeren Gruppe gemeinsam durch Wien." class="wp-image-5637" /></figure>
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<h2 class="wp-block-heading">Von der Diagnose zur Entpathologisierung</h2>
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<p>Im 20. Im 20. Im 20. Jahrhundert erreichte die medizinische Pathologisierung ihre zerstörerischste Konsequenz. Menschen wurden mit Zwangsbehandlungen, Elektroschocks, Hormonen, Operationen und Kastrationen bedroht oder misshandelt. Medizinische Autorität machte Vorurteile scheinbar objektiv. Gleichzeitig entstand innerhalb von Wissenschaft und Aktivismus eine Gegenbewegung, die genau diese Behauptungen empirisch und politisch angriff.</p>
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<p>Die Psychologin Evelyn Hooker veröffentlichte 1957 eine wegweisende Studie mit homosexuellen und heterosexuellen Männern, die nicht aus psychiatrischen Kliniken rekrutiert worden waren. Unabhängige Fachleute sollten psychologische Testprofile beurteilen, ohne die sexuelle Orientierung der Teilnehmer zu kennen. Sie konnten die Gruppen nicht zuverlässig unterscheiden. Hookers Arbeit erschütterte die Annahme, Homosexualität sei an sich eine psychische Störung.</p>
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<p>1973 strich die American Psychiatric Association Homosexualität aus ihrer Klassifikation als eigenständige Diagnose. Eine Restkategorie für sogenannte ich-dystone Homosexualität blieb noch bis 1987 bestehen. Die Weltgesundheitsorganisation entfernte Homosexualität 1990 aus der ICD. Diese Entscheidungen beendeten weder Diskriminierung noch sogenannte Konversionspraktiken, entzogen ihnen jedoch zugleich eine zentrale medizinische Legitimation.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Was diese Geschichte heute bedeutet</h2>
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<p>Diese Geschichte ist keine geradlinige Entwicklung von Unterdrückung zu Freiheit. Manche Gesellschaften boten bestimmten Menschen anerkannte Rollen und beschränkten zugleich andere. Manche Archive machen Nähe sichtbar, verschweigen aber Zustimmung, Selbstbezeichnung oder Macht. Fortschritt kann neue Sprache schaffen und dieselbe Sprache anschließend zur Kontrolle verwenden.</p>
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<p>Der Satz „Wir waren immer da“ ist deshalb weniger eine Behauptung identischer Lebensformen als eine Absage an die historische Auslöschung. Menschen liebten, begehrten, wechselten Rollen, widersetzten sich Normen und schufen Gemeinschaften lange vor unseren heutigen Abkürzungen. Ihre Geschichten werden genauer, nicht schwächer, wenn wir Unsicherheit offen benennen.</p>
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<p>Die wichtigste Aufgabe besteht nicht darin, jede Person der Vergangenheit nachträglich einzuordnen. Sie besteht darin, Archive gegen ihre Lücken zu lesen, koloniale und medizinische Kategorien zu hinterfragen und jenen Spielraum zurückzugeben, den Geschichte so oft genommen hat. Sichtbarkeit ist dabei kein Geschenk der Gegenwart. Sie ist das Ergebnis von Spuren, die trotz der Verfolgung erhalten geblieben sind.</p>
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